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2003 - Jahreshauptversammlung des DMB

Mit der Berliner Jahreshauptversammlung des DMB erfolgte die Umbenennung der 1994 gegründeten Fachgruppe aus "Fachgruppe Stadt- und Heimatgeschichtliche Museen" in Fachgruppe "Geschichtsmuseen". Bei den turnusmäßigen Vorstandwahlen des DMB wurden der Fachgruppensprecher Volker Rodekamp und Rolf Voss, der seit Gründung der Fachgruppe dabei ist, in den Beirat gewählt.

An der Sitzung der Fachgruppe aus Anlass der Jahrestagung des DMB nahmen 47 Kolleginnen und Kollegen teil: Berger, Eva, Kulturgeschichtliches Museum Osnabrück, Biedermann, Birgit, Berlin, Bierschenk, Monika, Potsdam, Blisch, Bernd, Projektbüro Stadtmuseum, Kulturamt Wiesbaden, Burscheidt, Margret, Städtische Mu-seen Esslingen, Busjau, Beatrice, Stadtgeschichtliches Museum Schabbellhaus Wismar, Bzdiach, Klaus, Deut-scher Museumsbund Berlin, Credé Norbert, Stadtgeschichtsmuseum Schwerin, Christiansen, Prof. Dr. Jörn, Focke-Museum Bremen, Fast, Dr. Kirsten, Museumsverband Baden-Württemberg, Friedländer, Gabriele, Berlin, Glass Christian, Stiftung Donauschwäbisches Zentralmuseum Ulm, Günter, Bettina, Technisches Museum Wien, Hattig, Susanne, Berlin, Hirte, Dr. Christian, Museumsverband Brandenburg, Hufschmidt, Dr. Anke, Stadtmuse-um Düsseldorf, Jannek, Norbert, Stadtmuseum Jüterborg, Keil, Dirk, Dominikanerkloster Prenzlau, Kohnke, Dr. Hans-Georg, Museen und Gedenkstätten der Stadt Brandenburg, Köstering, Dr. Susanne, Museumsverband Brandenburg, Kolb, Peter, Museumspädagogisches Zentrum München, Krestin, Steffen, Stadtmuseum Cottbus, Kuby, Eva, Berlin, Lang, Gabriele, Heimatmuseum Wedding, Berlin, Liethmann, Frank, M.M.W. Projektent-wicklung Plum + Witte Düsseldorf, Lochmann, Hans, Museumsverband für Niedersachsen und Bremen, Lude-wig, Dr. Thomas, Clemens-Sels-Museum, Neus, Meiners, Dr. Jochen, Bomann-Museum Celle, Meyer, Elke, Museumsverband für Niedersachsen und Bremen, Mußmann, Martina, Museumsbeauftragte der Region Hanno-ver, Springe, Mußmann, Dr. Olaf, Konzept & Support - Museumsberatung und Entwicklung Hannover, Plum Susanne, M.M.W. Projektentwicklung Plum + Witte Düsseldorf, Raber Rainer, Saarländischer Museumsverband Ottweiler, Rehberg-Crede, Christine, Büro pro historia Schwerin, Rodekamp, Dr. Volker, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Scheffler, Jürgen, Städtisches Museum Lemgo, Schieck, Dr. Martin, Museum Viadrina, Frank-furt (Oder), Schmerenbeck, Peter, Schloßmuseum Jever, Schuler, Dr. Thomas, Schloßbergmuseum Chemnitz, Schwark, Dr. Thomas, Historisches Museum Hannover, S'ent, Eleonore, Weißenfels, Sommer, Dr. Susanne, Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg, Steen Dr. Jürgen, Historisches Museum, Frankfurt a.M., Thör-ner, Ilka, Bonn, Voß, Dr. Rolf, Regionalmuseum Neubrandenburg, Ziegler, Günther, Museum für Stadtgeschich-te Dessau, Zwaka, Petra, Jugendmuseum Schöneberg

Die Fachgruppensitzung am 7. Mai fand im Jugendmuseum Schöneberg statt. Die Leiterin Petra Zwaka stellte ihr 1995 eröffnetes Museum vor. Die Besichtigung der aktuellen Ausstellung "Wunderkammern - Wunderkis-ten" bestätigte geradezu handgreiflich die These des montäglichen Abendvortrags Henning Ritters von der Wie-derkehr der Wunderkammer. Während Ritter seine Fragestellung indes auf das Verhältnis des Wunderkammer-prinzips zur Kunstgeschichte und ihrer Entwicklung im 19. Jahrhundert verengte, belegt die Schöneberger Aus-stellung das Wunderkammerprinzip als durchaus triftig wirkendes Modell einer auf Handeln bezogenen Vermitt-lung der klassischen Museumsfunktionen des Sammelns- und Bewahrens, des Entdeckens und Forschens mit dem Ausstellen. Im Rekurs auf Ritters These legt die Ausstellung "Wunderkammern-Wunderkisten" den Ver-dacht nahe, daß das Dilemma in der als selbstverständlich hingenommenen, aber doch ungeklärten Definitions-macht verfachwissenschaftlichter Museologien liegt. Das Wunderkammerprinzip streitet gegen die Aufteilung der Welt und der Museen in souveräne Geschichten, seien es nun die der Kunst, der Technik oder die der Natur.

Das Tagungsprogramm der Fachgruppensitzung folgte dem Thema der Jahreshauptversammlung, allerdings nicht abgehoben auf die Kontroverse um die "schöne" Hülle, sondern pragmatisch konzentriert auf Architektur als vielschichtige und aspektenreiche Bedingung der Realisierung dessen, was mit dem Museum als Resultat eines komplexen Entscheidungsprozesses hervorgebracht werden kann oder soll. Die ersten Referenten Susanne Plum und Frank Liethmann (M.M.W. Projektentwicklung Plum + Witte Düsseldorf) sprachen zu recht vom Netzwerk Museum. Aus der Arbeit der seit 18 Jahren bestehenden Agentur wurden das 1999 wieder eröffnete Städtische Museum Voswinckelshof in Dinslaken und das 2001 wiedereröffnete Schiffahrtsmuseum in Düssel-dorf vorgestellt. Der Voswinkelshof, ein ehemaliger Adelssitz, beherbergte zuvor eine volkskundliche Samm-lung. Das neu eröffnete Museum ist ein der Geschichte der Stadt verpflichtetes Museum. Das Informationsde-sign vollzieht dies ebenso nach, wie die neue Eingangsarchitektur, die die nun einmal abweisende (und denk-malsgeschützte) Fassade des Adelshofs gegenüber der Stadt öffnet und so den Schritt von der Sammlung für Interessierte zur auf die Gegenwart der Stadt draußen bezogenen Geschichtsausstellung nachvollzieht.

Das Düsseldorfer Schiffahrtsmuseum ist im Schloßturm, einem Relikt der Residenz, untergebracht. Das Innere wurde vollständig neu beplant. Gerade unter strikten architektonischen Vorgaben (runde Räume) wird besonders plausibel, daß ein inhaltliches Ausstellungskonzept vorhanden sein muß, das Ausstellungsarchitektur und -design maßgeschneidert umsetzen. Das Konzept muß begründet und begründbar sein, damit sie es auch können. Derartiges bezieht sich auch auf Medienwahl und Medieneinsatz. "Das" Medium ist die Ausstellung.

Norbert Credé (Stadtgeschichtsmuseum Schwerin) stellte einen in Kooperation mit der FH Coburg entstandenen studentischen Ideenwettbewerb zur Erweiterung des in einem denkmalgeschützten Bürgerhaus aus dem 18. Jahr-hundert untergebrachten Stadtmuseums vor. "Objekt der Begierde" ist das ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert stammende und denkmalgeschützte Nachbarhaus. Der Vortrag, als ausgesprochen instruktive Multimediapräsen-tation aufbereitet, stellte die Probleme im Detail dar, was vor allem offenbarte, daß "Denkmalschutz" nicht die Keule ist, die unter Museumsleuten gern zitiert wird. Detaillierte Kenntnis erschließt Möglichkeiten, die bei allgemeinen und die Belange des Denkmalschutzes ignorierenden Anfragen wohl abgebürstet würden. Das wohl ungewöhnlichste an Credés Ausführungen war die Mitteilung, daß er auf eigene Faust tätig geworden ist. Eine Chance zur Erweiterung des Stadtmuseums gibt es zur Zeit nicht. Eigeninitiative statt Resignation ist fraglos empfehlenswert. Nicht nur, weil die Öffentlichkeit hellhörig wird. Bevor Bauämter planen oder Kämmerer ent-scheiden, ist eine Idee da, die bereits Gestalt angenommen hat und Machbarkeit verbürgt. Und es handelt sich um eine konzeptive Idee, also eine Idee, die die Belange des Museums focussiert und den komplexen Prozess oder das Netzwerk Museum steuern kann.

Volker Rodekamp (Stadtgeschichtliches Museum Leipzig) stellte den Neubau des Leipziger Museums vor. Der Neubau ist ein Erweiterungsbau mit der Schaffung eines Zentralmagazins (statt bisher über das Stadtgebiet ver-streuter Magazine) und der Verlagerung der Arbeitszimmer, Werkstätten und Service-Einrichtungen aus dem Alten Rathaus am Markt. Der Neubau löst zahlreiche Probleme. Das Stadtmuseum gibt die Räume im Erdge-schoss des Alten Rathauses auf. Rodekamp schilderte detailliert die kulturpolitische Konstellation, die das Un-mögliche, einen Museumsneubau in unserer Zeit, plötzlich möglich machte. Instruktiv war vor allem die Eigen-initiative des Museumsleiters, ohne die aus einer plötzlichen Chance kein veritabler Neubau geworden wäre. Folge dieser Eigeninitiative war auch, daß das Museum die "Lufthoheit" über das Projekt behielt. Der enge Fi-nanzrahmen wirkte sich dabei vorteilhaft für einen funktionsgerechten Museumsneubau aus. Für eine besondere Gestaltung der Fassade war kein Geld mehr da. Hier ist eine neue Anstrengung der Stadt zu erwarten. Das ist auch gut so. Im umgekehrten Fall der Finanzierung der schönen Hülle aus "Einsparungen" in der funktionsge-rechten Ausstattung hätte das Museum sicherlich schlechte Karten gehabt.

Der 10. Fachgruppentag findet am ersten Novemberwochenende 2003 im Stadtmuseum Kassel statt

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