2002 Nürnberg

8. Mai 2002

13 - 14 Uhr

Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg

 

 

TOPs

Fachgruppenangelegenheiten

1. Wahl von Sprecher/in und Beirat der Fachgruppe

2. Fachgruppentag Bamberg

3. Resüme der Nürnberger Jahreshauptversammlung

4. Verschiedenes

 

Der Fachgruppensprecher eröffnet die Sitzung. Die Mitgliederversammlung billigt einmütig die Tagesordnung.

 

Zu 1:

Anwesend sind 28 Mitglieder der Fachgruppe. Koll. Schuler übernimmt die Wahlleitung. Koll. Foerster erläutert den Wahlvorschlag von bisherigem Beirat und Fachgruppensprecher, der mit einem Reformvorschlag zur Ge-schäftsordnung der Fachgruppe verbunden ist. Demnach sollen die Beiräte für bestimmte Funktionen und Auf-gaben, die bisher in aller Regel beim Fachgruppensprecher lagen, gewählt werden. Diese Entlastung des Fach-gruppensprecheramtes ist die Voraussetzung für eine stärker museumspolitische Ausgestaltung und offensive Wahrnehmung des Fachgruppensprecheramtes hinsichtlich der Vertretung gegenüber DMB und Öffentlichkeit, sowie die verbesserte Kontaktpflege vor allem zu großen historischen und stadtgeschichtlichen Museen, aber auch wissenschaftlichen Vereinigungen. Für die jeweiligen Funktionen und Aufgaben kandidieren jeweils zwei Kolleginnen und Kollegen. Das hat neben der verbesserten Aufteilung der laufenden Tätigkeiten und der Einbin-dung einer größeren Zahl von Kolleginnen und Kollegen in die Vorstandsarbeit den Vorteil, daß Funktionen und Tätigkeiten auch über kürzere Zeiträume ohne Gefährdung der Kontinuität der Gesamtarbeit wahrgenommen werden können. Zudem hat diese Doppelbesetzung den Vorteil, daß neu in die Vorstandsarbeiten eintretende Kolleginnen und Kollegen für überschaubare Bereiche mit bereits erfahrenen Kolleginnen und Kollegen an ihrer Seite zuständig sind. Das gerade in Museumsorganisationen grassierende Problem der "Versteinerung" von Vorständen und die Tatsache, daß lange Einarbeitungszeiten notwendig sind, bevor Wirkung erzielt werden kann, läßt sich so relativieren.

Im Einzelnen sieht der Vorschlag wie folgt aus:

1. BERICHTE

Der Aufgabenbereich umfaßt die jährlich vier Berichte für das BULLETIN des DMB, die Pflege der Webseite der Fachgruppe und die Protokolle von Sitzungen und Fachgruppentagen, die im Versand oder auf der Webseite publiziert werden.

Für diesen Bereich werden die Koll. Schwark und Steen zur Wahl vorgeschlagen.

2. TAGUNGEN

Der Aufgabenbereich umfaßt die Koordination der inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitung der jährli-chen Fachgruppensitzung und des jährlichen Fachgruppentags.

Für diesen Bereich werden die Koll. Fast und Foerster zur Wahl vorgeschlagen.

3. PUBLIKATIONEN

Der Aufgabenbereich umfaßt redaktionelle Betreuung und Drucklegung der Publikationen der Fachgruppe.

Für diesen Bereich werden die Koll. Credé und Krestin zur Wahl vorgeschlagen.

Für das Amt des Fachgruppensprechers wird Kollege Rodekamp vorgeschlagen. Die Vorgeschlagenen erklären Ihre Bereitschaft zur Kandidatur. Für die abwesende Koll. Fast teilt Koll. Foerster die Bereitschaft mit, für den abwesenden Kollegen Credé Koll. Steen.

Koll. Foerster dankt dem Koll. Steen für seine achtjährige Tätigkeit als Fachgruppensprecher und würdigt insbe-sondere die damit verbundene Leistung beim Aufbau der Fachgruppe. Koll. Steen erklärt, daß der Vorschlag zur Neustrukturierung der Vorstandsarbeit aus den Erfahrungen der Aufbauphase resultiere. Koll. Rodekamp erklärt, daß er den Vorschlag in jeder Hinsicht mittrage.

Die Wahl erfolgt einstimmig bei Stimmenthaltung der zur Wahl Vorgeschlagenen. Koll. Rodekamp übernimmt die Leitung der Fachgruppensitzung.

 

Zu 2:

Koll. Foerster referiert den Stand der Vorbereitung des Fachgruppentags, der vom 2. - 4. November 2002 in Bamberg stattfinden wird. Sie verweist auf die Mitteilungen im April - Versand der Fachgruppe, im BULLETIN 2 - 2002 und auf der Webseite der Fachgruppe.

 

Zu 3:

Kritisiert wird die Zusammenhanglosigkeit vieler Referate der Jahreshauptversammlung mit dem Generalthema Museumsethik. Der vor allem vom Präsidenten pronunciert vorgetragene Appell, sich auf die strukturelle Einheit von Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen, Vermitteln neu zu besinnen, wird gut geheißen. In der Gesamt-dramaturgie der Jahreshauptversammlung mit dem Abendvortrag von Harald Seemann über die sogenannte "blaue" Liste der national und übernational bedeutenden Museumseinrichtungen in den neuen Bundesländern erscheint das "Gute" indes an erster Stelle als verdeckte Unterstützung des Seemannschen Anliegens, das den Präsidenten als Museumsdirektor zum Betroffenen und Verbündeten hat. In diesem Zusammenhang stößt die Instrumentalisierung der strukturellen Einheit des Museologischen zur Rettung der "Leuchttürme" der Museums-landschaft der neuen Bundesländer auf Kritik. Es wird darauf hingewiesen, daß die Bewertung der Museums-landschaft nach Maßstäben nationaler und internationaler Bedeutung mit der Konsequenz, daß alles Übrige "provinziell" ist, der Logik der Museumslandschaft widerspricht. Der Museumstyp, der in der Fachgruppe prä-sent ist, unterstellt den Bezug auf konkrete Orte und ihre anschauliche Geschichte als Wert. Diese "Einzigartig-keit" ist ein Wert an sich.

Das Thema der Jahreshauptversammlung des DMB 2003 in Berlin lautet "Museum und Architektur". Es wird diskutiert, ob die Fachgruppe ihre Sitzung unter das gleiche Thema mit spezifischen Beispielen stellt. Spezifisch ist etwa die Regelunterbringung von Geschichtsmuseen in denkmalsgeschützten Gebäuden, was der Funktionali-tät des Hauses als Museum Grenzen setzt oder die Realisierung museologischer Standards unterbinden kann. In der Logik des Geschichtsmuseums ist es nicht bedeutungslos, daß die Architektur des Museumsgebäudes immer auch ein historisches Argument ist. In diesem Sinne ist die Architektur des Dokumentationszentrums Reichspar-teitagsgelände interessant, weil die architektonische Erschließung des Congressgebäudes zugleich eine auf die Gegenwart zielende Interpretation der (Nazi-)Architektur durch Architektur ist.

 

Zu 4:

Koll. Hofmann stellt das Programm der Jahrestagung des Komitees der Regionalmuseen vom ICOM 23. - 28. September 2002 in Zagreb zum Thema "Museum Quality and Standards" vor.

 

Der Fachgruppensprecher dankt dem Koll. Steen. Er hebt noch einmal hervor, daß der für die Fachgruppe cha-rakteristische Zusammenschluß großer und kleiner Museen als Chance verstanden werden muß. Die Notwendig-keit, den Kontakt zu größeren Häusern zu intensivieren, was Koll. Steen als "Defizit" seiner Amtszeit einge-schätzt habe, sehe er auch. Der Fachgruppensprecher regt an, über eine Namenänderung der Fachgruppe (Fach-gruppe Geschichtsmuseen) nachzudenken, weil die Verwendung von "Heimat" manchen vom Engagement in der Fachgruppe abhalten könne. Der Grund liege nicht in "groß" oder "klein", sondern in dem, was unentrinnbar an Problematischem in der Rede von "Heimat" mitschwinge.

F.d.R. Dr. Jürgen Steen