Menschenskulptur aus Metall vor Abbildung des afrikanischen Kontinents
Übersee-Museum Bremen, Foto: Matthias Haase

Koloniales Erbe

Seit einigen Jahren werden Fragestellungen im Hinblick auf den Umgang mit Kulturgut aus kolonialem Kontext sowie menschlichen Überresten in Museen und Sammlungen verstärkt in den Blick der Provenienzforschung genommen.

Die deutsche Kolonialzeit rückt hundert Jahre nach ihrem formalen Ende vermehrt in den Blick von Öffentlichkeit, Wissenschaft und Politik. Zunehmend wird ein kritischer Umgang mit dem kolonialen Erbe gefordert, sei es bei der Umbenennung von Straßennamen, der Umwidmung von Denkmälern oder auch bei der Diskussion um museale Repräsentationskonzepte wie dem Humboldt Forum in Berlin. Die Debatte um Kolonialverbrechen wie dem im Juli 2015 vom Auswärtigen Amt anerkannten Völkermord an Herero und Nama in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika wirkt bis in die Außenpolitik Deutschlands und Namibias.
Insbesondere die in der Öffentlichkeit stehenden Museen müssen einen Beitrag zur internationalen Debatte über den Umgang mit Sammlungen aus der Kolonialzeit leisten. Museen stehen dabei auch in einer Verantwortung gegenüber ihrer Sammlungsgeschichte und den Herkunftsgesellschaften. Aktuell beschäftigt sich eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe beim Deutschen Museumsbund mit den damit verbundenen Fragestellungen.
Einen besonders sensiblem Umgang erfordern menschliche Überresten in Museen und Sammlungen. Bereits seit den 1990er Jahren wird international verstärkt eine Diskussion über den Umgang geführt. Ausgangspunkt waren zunehmende Forderungen, menschliche Überreste, meist außereuropäischen Ursprungs, zurückzugeben. Vielfach treffen dabei unterschiedliche Wertesysteme und Weltanschauungen aufeinander. 2013 hat eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe des Deutschen Museumsbunds Empfehlungen zum Umgang mit menschlichen Überresten in Museen und Sammlungen herausgegeben.