Museum im Spannungsfeld zwischen universeller und nationaler Ausrichtung

Sibiu/Hermannstadt

2017 feiert das Brukenthalmuseum in Sibiu/Hermannstadt sein 200-jähriges Bestehen. Es ist das älteste und eines der bedeutendsten Museen Südosteuropas.

Die Kunstsammlung des Barons Samuel von Brukenthal (1721-1803), Leiter der Siebenbürgischen Hofkanzlei und Berater Maria Theresias, wurde bereits 1774 im Almanach de Vienne als eine der wertvollsten privaten Sammlungen Wiens bezeichnet. Neben dieser besaß der Baron zudem bedeutende Münz-, Antiken- und Mineraliensammlungen. Nach seiner Ernennung zum Gubernator Siebenbürgens 1777 ließ er in Hermannstadt ein Palais errichten, in dem seine letztlich mehr als 1200 Werke zählende Gemäldesammlung in einer eigenen Galerie ihren Platz fand.

In seinem Testament von 1802 verfügte Brukenthal, dass seine Bibliothek und seine Sammlungen bei Erlöschen der männlichen Erblinie in das Eigentum des Evangelischen Gymnasiums in Hermannstadt übergehen sollen. Bereits nach seinem Tod sollten diese „unzer­theilt und ganz beysammen“ bleiben und dem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Letzteres geschah schließlich 1817.

Der Stifter wurde von zwei Motiven geleitet: Zum einen war sein Vermächtnis ein patriotischer Akt ganz nach seinem Credo „Fidem genusque servabo – Meinen Glauben und mein Volk will ich behüten.“ Zum anderen zeigt sich in seinem Interesse für Kunst und Naturwissenschaften sowie seinem systematischen Sammlungskonzept das universale Bildungs­ideal der Aufklärung. In diesem Spannungsfeld zwischen universeller und nationaler Ausrichtung entwickelte sich das Brukenthalmuseum im 19. und 20. Jahrhundert fort. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelangte ein Teil des Kulturerbes der Siebenbürger Sachsen nach Deutschland und wird heute im Siebenbürgischen Museum bewahrt. Seit Langem pflegen beide Häuser daher enge Beziehungen.

Aus diesem Anlass veranstalten das Brukenthalmuseum und das Siebenbürgische Museum Gundelsheim das gemeinsame Symposium, das vom Beispiel Hermannstadts ausgehend die Ausrichtung der europäischen Museen im Spannungsfeld zwischen nationalen und universellen Ideen betrachtet.

Alle Interessierte sind herzlich zur Teilnahme eingeladen. Um Anmeldung wird gebeten.

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