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Dokumentation “Weitergedacht: Museen öffnen! Vielfalt als Chance”

Von Ende Mai bis Anfang Juli 2026 lief unsere Lunch Break-Reihe zur Jahrestagung – alle zwei Wochen zur Mittagszeit. Hier finden Sie kurze Zusammenfassungen der stattgefundenen Veranstaltungen.

Mit der digitalen Veranstaltungsreihe „Weitergedacht: Museen öffnen! Vielfalt als Chance“ hat der Deutsche Museumsbund die Diskussionen der Jahrestagung 2026 in einem kompakten Lunch-Break-Format weitergeführt. In kurzen Online-Sessions zur Mittagszeit wurden die zentralen Gedanken aus ausgewählten Workshops noch einmal aufgegriffen, zugänglich gemacht und gemeinsam weitergedacht – auch für alle, die bei der Jahrestagung selbst nicht dabei sein konnten.

Arbeitskreis Ausstellungen
Realitätscheck: Ausstellungen zwischen/mit Anspruch und Publikum (27. Mai 2026)

Die erste Lunch Break griff den Workshop des Arbeitskreises Ausstellungen auf und stellte eine Frage ins Zentrum, die auf den ersten Blick einfach wirkt, in der Praxis aber von großer Tragweite ist: Für wen machen wir das eigentlich? Ausgehend von dieser Leitfrage wurde der Workshop noch einmal vorgestellt und in seinen wesentlichen Gedanken zusammengefasst. Im Fokus standen Zielgruppen, die Perspektiven und Selbstverständnisse der Ausstellungsmacher:innen sowie die unterschiedlichen Erwartungen, die an Ausstellungen herangetragen werden. Dabei ging es auch darum, Routinen und mögliche Blind Spots in der eigenen Arbeit sichtbar zu machen und kritisch zu hinterfragen.

Im Fokus stand dabei der systematische Zugang, mit dem im Workshop gearbeitet wurde: Mithilfe der morphologischen Box wurden unterschiedliche Faktoren nebeneinandergelegt, neu kombiniert und als Ausgangspunkt für frische Perspektiven genutzt. Deutlich wurde dabei auch, dass sich diese Methode nicht nur zur Entwicklung neuer Ansätze eignet, sondern ebenso hilfreich sein kann, um Ausstellungen zu beschreiben und die eigene Ausstellungspraxis strukturiert zu reflektieren. So entstand ein Raum, in dem nicht vorschnell Antworten festgeschrieben, sondern bestehende Annahmen überprüft und neue Ansätze entwickelt wurden. Mitgenommen werden konnte vor allem, dass Ausstellungen dann an Relevanz gewinnen, wenn sie sowohl den eigenen institutionellen Anspruch als auch die Perspektiven und Bedürfnisse des Publikums ernst nehmen. Deutlich wurde auch, wie hilfreich strukturierte Methoden sein können, um komplexe Fragestellungen nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern konkrete Impulse für eine kulturpolitisch relevante und zugleich publikumswirksame Ausstellungspraxis zu entwickeln.

Arbeitskreis Bildung und Vermittlung und Fachgruppe Geschichtsmuseen
Neue Partnerschaften, neue Wege: Chancen und Herausforderungen kollaborativer Arbeitsprozesse in der pluralen Gesellschaft (10. Juni 2026)

Die zweite Lunch Break griff den gemeinsamen Workshop des Arbeitskreises Bildung und Vermittlung und der Fachgruppe Geschichtsmuseen auf und widmete sich der Frage, wie Museen die Zusammenarbeit mit Akteuren der pluralen (Zivil-)Gesellschaft so gestalten können, dass sie für alle Beteiligten fruchtbar wird. Im Mittelpunkt stand die Überlegung, wie kollaborative Prozesse dazu beitragen können, Museen selbst pluraler zu machen und sie näher an die Bedürfnisse einer vielfältigen Gesellschaft heranzuführen. Anhand konkreter Fallbeispiele aus großen und kleineren Museen wurde gezeigt, welche Potenziale in gemeinsamen Lernprozessen, im Austausch auf Augenhöhe und in der Entwicklung gemeinsamer Mehrwerte liegen. Zugleich wurde deutlich, dass gelingende Kollaboration nicht selbstverständlich ist, sondern bewusst gestaltet und immer wieder neu ausgehandelt werden muss.

Mitgenommen werden konnte vor allem, dass Museen in kollaborativen Prozessen nicht nur von der eigenen Agenda ausgehen dürfen, sondern stärker in den Blick nehmen müssen, was ihre Zielgruppen und Partner:innen wollen, brauchen und einbringen können. Deutlich wurde außerdem, dass Zusammenarbeit in diesem Sinne immer auch bedeutet, Kontrolle abzugeben. Wenn Mitwirkung und Kollaboration ernst genommen werden, können Entscheidungen nicht allein innerhalb der Institution getroffen werden. Gerade darin liegt jedoch eine zentrale Chance: Wo Museen bereit sind, Verantwortung zu teilen und Prozesse gemeinsam zu gestalten, entstehen tragfähige Formen der Zusammenarbeit, die neue Perspektiven eröffnen und den Anforderungen einer pluralen Gesellschaft näher kommen.

Fachgruppe Dokumentation
Herausforderungen und Chancen: Diversitätssensible Sprache in der wissenschaftlichen Museumsdokumentation  (24. Juni 2026)

Die dritte Lunch Break griff den gemeinsamen Workshop der Fachgruppe Dokumentation und von Wikimedia Deutschland auf und widmete sich der Frage, wie diversitätssensible Sprache in der wissenschaftlichen Museumsdokumentation konkret umgesetzt werden kann. Ausgangspunkt war ein Verständnis von Dokumentation als präziser, respektvoller und machtkritischer Beschreibung von Menschen, Objekten, Kontexten und historischen Quellen. Dabei ging es ausdrücklich nicht darum, historische Informationen zu löschen, sondern problematische Begriffe nicht unkommentiert als heutigen Standard fortzuschreiben. Im Workshop wurde im World-Café-Format an drei Thementischen gearbeitet: zu Sprache als Ausdruck institutioneller Haltung, zur praktischen Umsetzung in Feldern, Regeln und Workflows sowie zur Kommunikation nach außen – etwa gegenüber Besucher:innen, Forschenden, Fördernden oder auch in offenen Wissensräumen wie Wikipedia und ihren Schwesterprojekten.

Deutlich wurde, dass diversitätssensible Sprache in der Dokumentation nicht allein vom Engagement einzelner Personen abhängen darf, sondern als Querschnittsaufgabe in Strategie, Leitbild, Zuständigkeiten und Arbeitsprozessen verankert werden muss. Diskutiert wurden unter anderem die Entwicklung von Policies, der nachvollziehbare Umgang mit historischen Formulierungen, die Dokumentation von Änderungen, Pilotprojekte an konkreten Objekten sowie die Frage, welche Informationen wie veröffentlicht und zur Nachnutzung bereitgestellt werden können. Als wichtige Ansätze wurden ein klarer ethischer Rahmen, Glossare und Disclaimer, transparente Kommunikation sowie eine gemeinsame institutionelle Haltung benannt. Mitgenommen werden konnte vor allem, dass das Dokumentationssystem ein zentraler Wissensspeicher zu Objekten ist – und dass Benennungen und Beschreibungen nicht statisch sind, sondern immer wieder reflektiert, ausgehandelt und angepasst werden müssen. Besonders eindrücklich war dabei der Gedanke, Museen stärker als Treuhänder:innen und nicht als bloße Besitzende von Sammlungen zu verstehen.

Hier können Sie die Präsentation zur dritten Lunch Break herunterladen.


Arbeitskreis Volontariat

Begegnung gestalten. Dialogräume im Museum (8. Juli 2026)

Die vierte und letzte Lunch Break nahm den Workshop des Arbeitskreises Volontariat zum Ausgangspunkt und rückte das Museum als Ort der Begegnung in den Mittelpunkt. Gefragt wurde danach, was Begegnung im musealen Kontext überhaupt bedeuten kann: Austausch und Dialog, Zuhören und Diskutieren, Sichtbarkeit und Zugehörigkeit, aber auch zufällige, flüchtige oder informelle Momente des Zusammentreffens. Damit verbunden war die Frage, wie Museen Räume schaffen können, in denen unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden und Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Deutlich wurde, dass solche Dialogräume nicht nur in eigens dafür konzipierten Formaten entstehen, sondern auch an Objekten, in Ausstellungen, in Zwischenräumen, bei Veranstaltungen oder im Digitalen.

Der Workshop arbeitete mit verschiedenen methodischen Zugängen, um bestehende Begegnungsräume zu analysieren und neue Möglichkeiten für die eigene Museumspraxis zu entwickeln. Eine Begegnungsmatrix half dabei, Beteiligung und Dialog genauer zu beschreiben und zu fragen, wer sich in welchen Räumen auf welche Weise begegnet. In Gruppenphasen wurden gemeinsam Chancen und Grenzen musealer Begegnungsräume diskutiert. Außerdem eröffnete eine kreative Traumreise anschließend die Möglichkeit, gewohnte räumliche und institutionelle Rahmen gedanklich zu verlassen und alternative Formen der Begegnung zu entwerfen. Gerade dieser Wechsel zwischen strukturierter Reflexion und freier Imagination machte sichtbar, wie viele Potenziale in musealen Räumen liegen – und wie schnell zugleich Fragen nach Zeit, Geld, Zuständigkeiten und Umsetzbarkeit aufkommen.

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