Erinnerungsraum zur Fotoinstallation „Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU“

Altonaer Museum, Hamburg

Begleitend zur Fotoausstellung von Regina Schmeken zu den NSU-Tatorten lädt ein Erinnerungsraum dazu ein, der Opfer des NSU zu gedenken, insbesondere Süleyman Taşköprü, der 2001 in Hamburg-Altona ermordet wurde. Zugleich thematisiert der Raum rechte Gewalt in Hamburg seit 1945 und zeigt Möglichkeiten auf, sich im Alltag gegen Rechtsextremismus zu engagieren. Videointerviews und eine partizipative Installation regen zur Auseinandersetzung mit Erinnerung an: Wer waren die Getöteten? Wer erinnert, an wen wird erinnert – und wer wird übersehen?  

„Die Arbeit an der Ausstellung und die anschließenden Reaktionen der Besuchenden und Schüler*innen hat erneut gezeigt, dass die Zusammenarbeit mit Opfern und Angehörigen unerlässlich ist. Dank der Beteiligung von Betroffenen von rechten Gewalttaten ist eine nahbare Darstellung ihrer Perspektive möglich geworden, die zu einem Dialog einlädt – und zum Handeln für ein würdiges und gerechteres Erinnern aufruft.“
Lisa Miller, Kuratorin
 

Zeitraum
Oktober 2025 bis Juli 2026 

Finanzieller Rahmen
Für die gesamte Ausstellung einschließlich der Fotoinstallation von Regina Schmeken stand ein Budget von ungefähr 150.000 Euro zur Verfügung (ohne Personalkosten). 

Beteiligtes Personal im Museum
Vor allem Personal aus den Fachbereichen Ausstellung und Bildung & Vermittlung, die Direktion, die von der Kulturstiftung des Bundes teilfinanzierte 360°-Agentin sowie Presse und Marketing.  

Beteiligte externe Gruppen oder Personen 
Über den Hamburger Regisseur und Aktivisten Dan Thy Nguyen, der das Projekt als Berater unterstützte, wurde der Kontakt zur Familie Taşköprü hergestellt. Okan Taşköprü, der Neffe des Opfers, war in engem Austausch mit dem kuratorischen Team und arbeitete aktiv am Erinnerungsraum mit. Ebenfalls involviert war İbrahim Arslan, Überlebender des Brandanschlags in Mölln 1992, als Bildungsreferent. Die Kulturberaterin Nicole Mattern – die den Kontakt zu Regina Schmeken hergestellt hatte und einen Schwerpunkt in der Erinnerungsarbeit hat – wurde beauftragt, Videointerviews mit Okan Taşköprü, İbrahim Arslan, Regina Schmeken, Barbara John, Aydan Özoğuz und Annette Ramelsberger zu führen.
Ab März 2026 wird das Projekt ergänzt durch eine räumlich benachbarte Installation des Dynamic Memory Lab „Nước Đức“, das die vietnamesisch-deutsche Migrationsgeschichte in den Blick nimmt. Die mobile Ausstellung der Coalition for Pluralistic Public Discourse wurde von Dan Thy Ngyuen und Nina Reiprich kuratiert.  

Welche konkreten Maßnahmen wurden konzipiert und/oder umgesetzt?
Eine Ausstellungsfläche im Erinnerungsraum wurde von der Familie von Süleyman Taşköprü in Erinnerung an ihn gestaltet.
Im Erinnerungsraum gibt es für Besuchende die Möglichkeit, Briefe an die Familie Taşköprü zu schreiben, um Anteilnahme und Solidarität auszudrücken, da die Familie bisher nur wenig solcher Unterstützungserklärungen und Anteilnahme erhalten hatte.
Ein zentrales Anliegen ist, Erinnerung als etwas zu vermitteln, das aktives Handeln benötigt. Damit Erinnerung nicht abstrakt bleibt, können Besuchende an einer partizipativen Installation mitwirken und mitteilen, was Erinnern für sie persönlich bedeutet. 
Es wurde genug Raum geschaffen, um während der Ausstellung oder anschließend in den Austausch zu kommen. An einem großen Arbeitstisch kann gemeinsam an der Installation gearbeitet und in Workshops zusammengekommen werden. In einem an die Ausstellung angrenzenden Ruheraum gibt es die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, ob alleine oder mit der jeweiligen Begleitung.  

Was sind die wesentlichen Learnings für das Museum?
Erinnerungsarbeit zu Opfern von rechter Gewalt muss in Abstimmung mit den Betroffenen passieren, nur so entsteht der Dialog, der für eine gerechtere Erinnerungskultur vonnöten ist.
Für die Zusammenarbeit mit Betroffenen/Opfern/Angehörigen braucht es die nötigen Ressourcen: Zeit, um Vertrauen aufzubauen; Budget, um die Zusammenarbeit angemessen zu entlohnen; bürokratiearme Strukturen, damit sich alle Beteiligten auf das Wesentliche konzentrieren können.
Es braucht eine sensible Strukturierung der Ausstellung, die es Besuchenden ermöglicht, mit diesem belastenden Thema umzugehen. Es wurde am Ende der Ausstellung – nach Fotoinstallation und Erinnerungsraum – deshalb zusätzlich ein Ruheraum ergänzt, sodass Besuchende eine reizarme Pause machen können.  

Links und Literatur
https://www.shmh.de/ausstellungen/blutiger-boden-altonaer-museum/ 

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