Glossar Jahrestagung 2026

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Foto: Rebecca Hausner, Unsplash

Das folgende Glossar bündelt und definiert die wichtigsten Fachbegriffe, wie sie im Kontext der Konferenz verwendet werden. Das Glossar  bietet  eine  Diskussionsgrundlage für den gemeinsamen Austausch. 

Communitys  

Der Begriff „Community“ bedeutet so viel wie Gemeinde oder Gemeinschaft. Communitys bestehen aus handelnden Individuen, die sich einer oder mehreren gesellschaftlichen Gruppen zugehörig fühlen. Die Verbundenheit entsteht zum Beispiel durch gemeinsame Werte, Ziele oder Interessen. Communitys bieten einen Raum des Austausches, der Unterstützung und auch der Selbstwirksamkeit und arbeiten teils aktiv daran, ihre Interessen zu vertreten sowie gesellschaftlich, sozial und politisch Einfluss zu nehmen.   
Im migrationsgesellschaftlichen Kontext sind Erfahrungen wie zum Beispiel Flucht, Diskriminierung oder Herkunft verbindende Merkmale. Diversitätsorientiert zählen unter anderem auch Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Religion, Sprache, sexuelle Orientierung und Behinderungen dazu. Wer zur Community gehört bzw. gehören kann, ist eine prozesshafte Aushandlungssache.  
Obwohl Communitys darauf abzielen, sichere Räume, Austausch und Zugehörigkeit zu schaffen, können auch sie Ausschlussmechanismen reproduzieren, zum Beispiel dann, wenn andere Personen aufgrund von oben genannten Merkmalen ausgeschlossen werden.  

Community Work  

Die „Community Work“ oder „Community-Outreach“ bezeichnet die Zusammenarbeit von Museen mit lokalen oder thematisch verbundenen Communitys. Ziel ist die Einbindung vielfältiger Perspektiven – insbesondere von marginalisierten Gruppen – in die museale Arbeit und die Öffnung der Museen zu Orten der gesellschaftlichen Aushandlung und Teilhabe.   
Die Community Work ist eng mit Partizipation und Outreach verbunden. Fragen nach Entscheidungsmacht und Verantwortung sind wesentlich: Wer bestimmt, was ausgestellt wird? Wer entscheidet im Projekt über Ressourcen, Inhalte und Repräsentation?  
Hier setzt auch die Kritik an der Community Work an, die Fragen nach echter Mitbestimmung, Instrumentalisierung, Arbeitskraftbeschaffung und Nachhaltigkeit sowie zur Vermeidung von bloßer Symbolpolitik aufwirft. 

Diversität im Museum 

Diversität im Museum bezeichnet die bewusste Anerkennung und aktive Berücksichtigung der gesellschaftlichen Vielfalt in allen Bereichen musealer Arbeit. Sie umfasst unterschiedliche Dimensionen wie Alter, Behinderung, Herkunft, Religion und Weltanschauung, Geschlecht, sexuelle Orientierung, soziale Lage sowie individuelle Lebensentwürfe. 
Im Sinne ihres demokratischen Auftrags und gestützt auf rechtliche und normative Grundlagen – etwa die UN-Behindertenrechtskonvention, das Gleichstellungsgesetz und die neue Museumsdefinition des International Council of Museums (ICOM) – zielen Museen darauf ab, Barrieren abzubauen, Diskriminierung zu vermeiden und kulturelle Teilhabe für alle zu ermöglichen. Insofern ist Diversität eng mit Inklusion, Partizipation und Multiperspektivität verbunden:  Museen sollen unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen, gesellschaftliche Narrative reflektieren und gemeinsam mit vielfältigen Communities gestalten. Sie beschränkt sich somit nicht nur auf Teilhabe, sondern ist auch Teilgabe. 
Diversität im Museum umfasst daher alle Bereiche der Museumsarbeit, sei es als Thema von Ausstellungen oder als Querschnittsaufgabe, die Publikum, Programme, Sammlungen, Vermittlung, Kommunikation, Personal und Organisationsstrukturen gleichermaßen betrifft. Als fortlaufender Transformationsprozess stärkt Diversität die gesellschaftliche Relevanz, Offenheit und Zukunftsfähigkeit von Museen. Sie erfordert eine wertschätzende Haltung, institutionelle Veränderungsbereitschaft sowie langfristige personelle und finanzielle Ressourcen. 

Diversitätsorientierte Organisationsentwicklung  

Organisationen, die diversitätsorientiert handeln, zielen darauf ab, Chancengleichheit zu erhöhen und Diskriminierungen abzubauen. Verschiedenheit und Gleichheit sollen durch die Abbildung gesellschaftlicher Vielfalt hergestellt werden. Sechs Kernbereiche stehen im Mittelpunkt der Diversitätsorientierte Organisationsentwicklung: Alter, Behinderung, Ethnizität / Herkunft, Geschlecht, Religion / Weltanschauung und sexuelle Orientierung. Organisationen, die sich diversitätsorientiert aufstellen, setzen sich mit inneren Prozessen und (Macht-)Strukturen auseinander, indem sie diese beleuchten, sichtbar machen und hinterfragen. Die Diversitätsorientierte Organisationsentwicklung zielt darauf ab, ein Bewusstsein für die Rollen und Machtpositionen zu schaffen, aus denen heraus Personen oder Gruppen handeln und miteinander interagieren.

Dritte Orte 

Der Begriff wurde von dem amerikanischen Raumsoziologen Ray Oldenburg (1932-2022) erstmals 1989 in seinem Buch „The Great Good Place“ vorgestellt. Hierin definierte Oldenburg drei Raumkategorien: der Wohnort, als erster Ort, der Arbeitsplatz als zweiter Ort und als dritte Orte alle informellen Treffpunkte im Herzen des Gemeinwesens, angefangen bei Bars und Cafés, bis hin zu Friseursalons, Buchläden usw. – für Oldenburg allesamt Orte des Ausgleichs, des Wohlbefindens und der nachbarschaftlichen Kommunikation, die den sozialen Zusammenhalt und das Gefühl der Zugehörigkeit stärken („a home away from home“). Solche Orte lassen sich nicht „verordnen“. Sie entstehen, wenn entsprechende Rahmenbedingungen gegeben sind. Hierzu gehören u. a. spürbares Engagement, Offenheit, Erreichbarkeit, Atmosphäre, soziale Durchmischung, Gesprächskultur und angemessene Impulse.   
Während sich Oldenburgs Augenmerk seinerzeit auf Biergärten, Kaffeehäuser und Pubs richtete, bemühen sich heute auch vermehrt Museen, dritte Orte, also soziale Räume und nicht kommerzielle Treffpunkte zu schaffen. Sie wollen Menschen zusammenbringen, zwanglose Begegnung und Austausch sowie soziale und kulturelle Teilhabe auch ohne Programm oder Konsumzwang bieten. Hierdurch sollen Barrieren abgebaut, die gesellschaftliche Relevanz erhöht und auch nicht Nicht-Museumsbesucher*innen ins Haus gelockt werden.  
Zu den Gelingensfaktoren gehören ein erweitertes Selbstverständnis, geeignete Räumlichkeiten sowie ausreichend finanzielle und personelle Ressourcen.  

Ideologie 

Ein geschlossenes System von Ideen, Weltanschauungen und Wertvorstellungen, das darauf abzielt, gesellschaftliche Verhältnisse zu erklären, zu bewerten und zu gestalten. Ideologien dienen als theoretischer Leitfaden für praktisches politisches Handeln, um einen bestimmten Soll-Zustand zu erreichen. Sie werden zur Rechtfertigung dieses Handelns, letztlich zur Legitimierung von Machtausübung instrumentalisiert. Oft vereinfachen sie komplexe Wirklichkeiten stark und polarisieren Haltungen, indem sie eine simple Unterscheidung von „richtig“ und „falsch“ vorgeben. Ideologien werden dogmatisch vertreten und tendieren dazu, Kritik und andere Weltanschauungen zu unterdrücken oder gar auszuschließen. 

Kulturelle Teilhabe  

Kulturelle Teilhabe beschreibt für Museen den Anspruch, die Institution als offenen, inklusiven Ort zu gestalten, der den Zugang zu Kultur für möglichst viele Menschen ermöglicht, bestehende Ungleichheiten im Publikum bewusst reflektiert und in museale Praxis intergriert. 
Kulturelle Teilhabe geht davon aus, dass kulturelle Angebote nicht von allen gesellschaftlichen Gruppen gleichermaßen genutzt werden. Sie schließt daher den aktiven Abbau von Barrieren – etwa physischer, sprachlicher, sozialer oder sensorischer Art – ein und versteht Inklusion als zentralen Bestandteil dieses Prozesses. Gleichzeitig erfordert kulturelle Teilhabe eine gezielte Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen. Sie bedeutet nicht, alle Menschen gleichzeitig oder in gleicher Weise zu erreichen, sondern transparente Entscheidungen darüber zu treffen, wen ein Museum mit welchen Angeboten anspricht. Ziel ist ein Museum, das Vielfalt anerkennt, Ausschlüsse reduziert und sich als gesellschaftlich relevanter, lernender Raum versteht. 

Marginalisierung  

Mit diesem Ausdruck ist wörtlich „an den Rand drängen“ gemeint. Der Begriff weist demnach auf Personen hin, die aufgrund von bestimmten Merkmalen diskriminiert und ausgeschlossen werden. Diese können sich auf das Geschlecht, auf die Herkunft oder den Sozialstatus beziehen. Der Begriff beschreibt nicht nur Minderheiten, denn auch Frauen gelten als marginalisierte Gruppe. 

Partizipation   

Gesellschaftliche Teilhabe wird als Partizipation bezeichnet. Mit Bezug auf Museen skizziert die amerikanische Museologin Nina Simon das ‘participatory museum‘, in welchem Museumsmacher, Teilnehmer und Publikum in einem gerahmten und unterstützten Austausch stehen. Sie unterscheidet, je nachdem in welcher Beziehung die Institution mit Teilnehmern und Publikum steht, wer in die Teilhabe eingebunden ist und wie viel Kontrolle an diese übertragen wird, unterschiedlichen Grade der Partizipation: ‘contributory‘, ‘collaborative‘, ‘co-creative‘ und ‘hosted‘ participation. Dabei können in flexibler Weise folgende Stufen durchlaufen werden: Erstens konsumiert der Besucher Inhalt, zweitens interagiert er damit, drittens setzt er die eigenen Interessen in Zusammenhang mit denen des Weiteren institutionellen Publikums, viertens wird Kontakt mit konkreten anderen Besuchern und Museumsmitarbeitern hergestellt, die ähnliche Interessen und Aktivitäten teilen, fünftens wird die Institution als sozialer Ort mit bereicherndem Begegnungspotential angesehen. Anja Piontek hat in ihrer Studie “Museum und Partizipation” das Modell weiter ausdifferenziert und dabei das bloße zur Verfügung stellen von Ressourcen (hosting) als mangelnde Partizipation kritisiert.