Migration bewegt die Stadt. Perspektiven wechseln

Münchner Stadtmuseum 

Die Ergebnisse des zunächst auf vier Jahre angelegten Projekts waren von 2018 bis zum Beginn der Generalsanierung 2024 im Münchner Stadtmuseum präsent. In der Dauerausstellung „Typisch München!“ ergänzten neue Exponate die Stadtgeschichte und machten sichtbar, wie stark Migration München geprägt hat. Die Erzählweise der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung wurde dabei bewusst hinterfragt: Aus wessen Perspektive erzählen wir die Geschichte der Migrationsgesellschaft? Welche Objekte können sie vermitteln? Und wie wird Migrationsgeschichte Teil eines gemeinsamen städtischen Narrativs? 

„Eine entscheidende Weichenstellung für das Projekt war die Gründung eines Fachbeirats, der sich aus Akteur*innen der Migration in München zusammensetzte und großen Einfluss auf die Inhalte und Ausrichtung der Migrationsforschung und die Ausstellungen hatte. Oftmals waren es Personen aus diesem Beirat, die entscheidende Hinweise gaben und Kontakte vermittelten. Die kontinuierliche Zusammenarbeit machte die Arbeit des Stadtmuseums bekannt und schuf Vertrauen.“
Dr. Simon GoekeSammlung Stadtkultur und Migrationsforschung 

Zeitraum
Projektphase: Anfang 2015 bis Ende 2018, anschließende Entfristung der Stellen. Ausstellung: September 2018 bis Januar 2024 

Finanzieller Rahmen
Projektphase: 20-30.000 Euro jährliche Programmmittel, 20.000 Euro Ankaufsetat
Ausstellungetat 2018: 116.000 Euro 

Beteiligtes Personal im Museum
Zwei 75 Prozent Projektstellen für Migrationsforschung, 2015-2018 befristet, ab 2019 entfristet. In die Ausstellung waren dann alle Bereiche des Hauses eingebunden. Das umfasst Mitarbeiter*innen der Sammlung Stadtkultur und andere Sammlungen, das gesamte handwerkliche Realisierungsteam, Restaurator*innen, Kommunikationsabteilung, Vermittlungsabteilung. 

Beteiligte externe Gruppen oder Personen 
Externe Gestalterin: Juliette Israel
Ehrenamtlicher Fachbeirat und wissenschaftlicher Beirat
Externe Vermittler*innen, meist ohne Erfahrung in der Kulturvermittlung, aber mit Sprachkompetenz und eigener Migrationserfahrung. 

Welche konkreten Maßnahmen wurden konzipiert und oder umgesetzt?
Projektphase: Veranstaltungsreihen, Sammlungsaufruf, Querlesen der Sammlungen, ab 2017 verschiedene Kabinettsausstellungen (Projekteinblicke I-V) und Outreach-Projekt (Museumslabor Westend), Publikationsreihe „Münchner Beiträge zur Migrationsgeschichte“, 2018 Ergänzung der stadthistorischen Dauerausstellung durch zehn Module zur Geschichte und Gegenwart der Migration.  

Externe Vermittler*innen, teilweise ohne museumspädagische Vorerfahrung aber Sprachkompetenz und Migrationserfahrung bereiteten sich in einem mehrtägigen Workshop gemeinsam mit dem Projektteam und dem festangestellten Vermittlungsteam auf die Tandem-Führungen und fremdsprachige Führungen vor. So konnten Rundgänge in Arabisch, Bosnisch/Kroatisch, Griechisch, Italienisch und Türkisch angeboten werden. Außerdem wurden Tandem-Rundgänge realisiert, die jeweils von einer*m dieser Vermittler*innen und einer*m Kurator*in der der Ausstellung gemeinsam durchgeführt wurden. 

Was sind die wesentlichen Learnings für das Museum?
Neben den vielen kleineren Wechselausstellungen war die Ergänzung der Dauerausstellung ein sehr sichtbares Signal, dass Stadtgeschichte nicht mehr ohne Migrationsgeschichte erzählt werden kann. So wurde die Dauerausstellung auch zu einem Angebot an Gruppen/Schulklassen, die sich mit Migrationsgeschichte beschäftigen wollten.  

Feste Stellen am Museum und feste Ansprechpartner*innen für die verschiedenen Communitys, schufen Vertrauen und nachhaltige Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Communitys. 

Links und Literatur
Ursula Eymold/Andreas Heusler (Hrsg.): Migration bewegt die Stadt. Perspektiven wechseln (Münchner Beiträge zur Migrationsgeschichte 2), München 2018. 

Francesco Vizzarri, Ausstellungsrezension zu: Migration bewegt die Stadt. Perspektiven wechseln , 21.09.2018 – 29.12.2019 München, , in: H-Soz-Kult, 31.08.2019, https://www.hsozkult.de/exhibitionreview/id/reex-130837.

Farina Asche: Was bleibt von der Perspektive der Migration im Museum? Kritische Praxis und ihre Friktionen in der städtischen Musealisierung Münchens, in: Daniela Döring u. Magarete Vöhringer (Hrsg.): Friktionen Kuratieren. Für eine politische Wissensgeschichte des Ausstellens, Bielefeld 2025, S. 299-318. https://doi.org/10.14361/9783839468838-020.

Ines S.: „Migration bewegt die Stadt“: ein Münchner Modell, online:  https://migrations-geschichten.de/migration-bewegt-die-stadt-ein-muenchner-modell/

Philip Zölls: Migration bewegt die Stadt – und das Archiv! Stadtgeschichten, 09.02.2023, https://doi.org/10.58079/ukax.

https://www.muenchner-stadtmuseum.de/dauerausstellungen/migration-bewegt-die-stadt-perspektiven-wechseln

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