Museen sind… antirassistisch

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© Münchner Stadtmuseum, Ausstellungsplakat Zuschnitt / Montage

Rassismus ist kein Randphänomen und keine individuelle Haltung, sondern ein strukturell verankertes, historisch gewachsenes und in der Gesellschaft wirksames Machtverhältnis. In der antirassistischen Bildungsarbeit wird Rassismus als System der Ungleichwertigkeit verstanden. Ein System, das sich nicht nur in Sprache, Gesetzgebung oder offener Gewalt äußert, sondern auch in Normsetzungen, Auswahlprozessen und institutionellen Routinen fortwirkt. 

Museen sind keine neutralen Räume. Auch hier gibt es rassistische Strukturen und Wirkmechanismen, die bis heute fortwirken. Rassismus findet sich in der Geschichte von Sammlungen und Institutionen ebenso wie in ihrer alltäglichen Praxis. Oft ist er nicht unmittelbar sichtbar, sondern wirkt unterschwellig in etablierten Abläufen und Routinen. Als Institutionen der Wissensproduktion und Erinnerungskultur legen Museen fest, welche Geschichten erzählt werden und welche Perspektiven Gehör finden. Sie stehen daher in der Verantwortung, sich mit den rassistischen Strukturen, die sie historisch mitgetragen haben, auseinanderzusetzen und diese aktiv zu dekonstruieren.  

Nach innen zeigt sich dies beispielsweise in homogen besetzten Teams, in kuratorischen und dokumentarischen Arbeitsweisen, die bestimmte Perspektiven bevorzugen und andere ausblenden sowie in der Verwendung diskriminierender Begriffe. Nach außen wird Rassismus unter anderem in der Auswahl und Präsentation von Objekten deutlich, in Ausstellungen, die exotisieren oder stereotype Bilder reproduzieren, sowie in einer Zielgruppenansprache, die viele Menschen nicht erreicht oder ausschließt. Repräsentation erfolgt dann oft entlang eines „Wir und die Anderen“-Schemas, das kulturelle Differenz betont, statt gemeinsame gesellschaftliche Realitäten sichtbar zu machen. 

Ein rassismuskritischer Blick auf die eigene Praxis hilft, diese Muster zu erkennen, zu benennen und gezielt zu verändern. Vielfalt zu zeigen, ohne Machtverhältnisse zu hinterfragen, reproduziert häufig bestehende Ausschlüsse. Erst durch die Auseinandersetzung mit Rassismus in seiner historischen wie gegenwärtigen Dimension wird deutlich, wie tief verankert Ungleichheiten sind und welche Verantwortung Museen bei deren Sichtbarmachung und Überwindung tragen. 

Ein rassismuskritisches Museum ist sich seiner Rolle im System bewusst. Es erkennt, dass es nie einfach neutral ist, sondern immer in gesellschaftlichen Kontexten agiert. Diese Position bietet die Möglichkeit, sich aktiv für Gerechtigkeit und Teilhabe einzusetzen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Museen in einer von Migration und Vielfalt geprägten Gesellschaft Verantwortung übernehmen können, um aktiv an der Herstellung von Gerechtigkeit, Teilhabe und Anerkennung mitzuwirken – nicht nur durch Repräsentation, sondern durch strukturelle Veränderung. 

Die Begriffe rassismuskritisch und antirassistisch werden häufig gemeinsam verwendet, bezeichnen jedoch unterschiedliche, wenn auch eng miteinander verbundene Ansätze. Rassismuskritisch zu arbeiten bedeutet, Rassismus in seinen historischen, gesellschaftlichen und institutionellen Formen als strukturelles Machtverhältnis zu analysieren und nicht nur als individuelles Fehlverhalten zu verstehen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Ausschlüsse entstehen, wie sie in Wissen, Sprache und Institutionen eingeschrieben sind und wie sie fortwirken. 

Antirassistisch zu arbeiten geht darüber hinaus. Antirassismus verbindet diese Analyse mit dem Anspruch, rassistische Strukturen und Ausschlüsse aktiv abzubauen, Wissensproduktion zu dezentrieren und gerechtere Formen von Teilhabe, Repräsentation und Entscheidung zu schaffen. Rassismuskritik ist somit eine wichtige Voraussetzung antirassistischer Praxis, aber nicht mit ihr gleichzusetzen. 

Verantwortung übernehmen durch strukturelle Veränderungen

Ein Museum, das rassismuskritisch und antirassistisch arbeitet, erkennt seine eigene Rolle in gesellschaftlichen Machtverhältnissen an. Es übernimmt Verantwortung dafür, diese nicht nur sichtbar zu machen, sondern auch strukturell zu verändern – etwa in der Sammlungspolitik, der Vermittlungsarbeit, der kuratorischen Praxis sowie in Fragen der Repräsentation, Beteiligung und Entscheidungsmacht von BiPoC. Es hinterfragt seine institutionellen Machtverhältnisse und seine Organisationsstruktur. Es verankert seine Haltung im Leitbild und in der Hausordnung und sorgt dafür, dass es ein sicherer Ort für alle ist. Leitlinien, Prozesse und Strukturen werden dabei regelmäßig überprüft und weiterentwickelt, um rassismuskritische Reflexion und antirassistisches Handeln dauerhaft in der institutionellen Praxis zu verankern. 

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz als Mindeststandard 

Rechtliche Grundlagen wie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) bilden den verbindlichen Rahmen für eine diskriminierungsfreie Praxis. In Deutschland schützt das AGG vor Benachteiligung aufgrund ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter oder sexueller Identität. Für Museen hat dies zwei zentrale Dimensionen: Intern verpflichtet es Arbeitgeber*innen, Diskriminierung im Bewerbungs- und Beschäftigungsverhältnis zu verhindern. Dies betrifft Stellenausschreibungen, Auswahlverfahren, Beförderungen, Arbeitsbedingungen und den Umgang mit Beschwerden. Extern greift das AGG auch, wenn Personen im Rahmen öffentlich zugänglicher Angebote benachteiligt werden, etwa beim Ticketverkauf, in der Vermittlung oder durch diskriminierende Hausordnungen. Ein antirassistisches Museum betrachtet das AGG nicht nur als rechtliche Mindestanforderung, sondern als Grundlage für eine diskriminierungsfreie Organisationskultur. Dazu gehören transparente Prozesse, die Verankerung von Diskriminierungsschutz in allen Arbeitsbereichen sowie die regelmäßige Überprüfung, ob Strukturen, Inhalte und Kommunikationsformen den Standards des AGG entsprechen. 

Das Museum bewahrt neben Objekten und Archivalien auch verschiedene Sichtweisen der Jahrhunderte hinter den Kulissen auf: Mitarbeitende und ihre Perspektiven prägten und prägen die Bestände und ihre Beschreibung. Diese Prägungen oder generationellen Schichten des Sammelns sollen nachvollziehbar bleiben. Wurde etwa in der Vergangenheit bei der Dokumentation des Sammlungsguts mit rassistischen oder stereotypisierenden Zuschreibungen oder Interpretationen gearbeitet, so sollen diese in den Datenbanken erhalten bleiben und durch eine gegenwärtige Abgrenzung ergänzt werden. So kann z. B. bei einer traditionellen Trachtenpuppe das Stichwort „Stereotypisierung“ hinzugefügt werden.  

Eine Überprüfung der eigenen Sammlung mit einem diskriminierungskritischen und rassismussensiblen Blick ist ein wichtiger Schritt hin zu einem antirassistischen Museum und kann gleichzeitig helfen, Mitarbeitende aus den vielfältigen Aufgabenbereichen der Sammlungsarbeit, wie z. B. Restaurierung, Dokumentation oder Archiv, für das Thema zu sensibilisieren. 

Die Sammlung kontinuierlich ergänzen und weiterentwickeln 
Die kritische Befragung der existierenden Sammlung macht meist auch deutlich, welche Überlieferungslücken noch zu schließen sind und wessen Perspektiven die Sammlung repräsentiert. Gerade im Zusammenhang mit Rassismus und anderen Diskriminierungsformen ist meist der Blick auf die diskriminierte Person oder Gruppe dominant, während die Perspektiven der Marginalisierten nicht gehört wird. Es ist deshalb eine wichtige Aufgabe, durch die Akquise von neuem Sammlungsgut mit „Migrationsgeschichte“ die Perspektiven in der Sammlung zu erweitern oder umzudrehen.  

Unterstützung können hier feste Kooperationspartner*innen bieten. Die Zusammenarbeit auf Augenhöhe wird idealerweise in partizipativen (Outreach-)Formaten verstetigt.  

Antirassistische Sammlungsarbeit bedeutet zudem, das eigene Sammlungskonzept kontinuierlich weiterzuentwickeln. Museen und Archive verfügen mit der Entscheidung, wie und was gesammelt und ausgestellt wird, über eine hohe kulturelle und historische Definitionsmacht. Das Ringen um die Deutungshoheit von Erinnerungskultur hat Vorbilder – so war es früher nicht selbstverständlich, dass in Sammlungen die Perspektiven von Frauen oder Arbeiter*innen repräsentiert sind.  

Die Wissenschaft im deutschsprachigen Raum ist gemeinhin von weißen Perspektiven geprägt, die als unmarkierte Normen Wirkung und Deutungshoheit entfalten. Museen als Orte und Institutionen, in denen Forschung stattfindet, müssen diesem Umstand Rechnung tragen und sind verpflichtet, Methoden und Ansätze des antirassistischen Forschens in ihre Arbeit aufzunehmen. Sie tragen damit dazu bei, eurozentristische Erzählungen zu hinterfragen, ihnen andere Narrative entgegenzustellen, Deutungshoheiten abzugeben und somit Handlungsmacht neu zu verteilen.  

Sammlungen zugänglich machen und Kooperationen pflegen 
Ein Weg, um die Erforschung der eigenen Sammlung oder Geschichte um internationale und marginalisierte Perspektiven zu erweitern, ist eine im Internet verfügbare Sammlungsdatenbank. Die Datenbank muss in englischer Sprache und kostenfrei aufrufbar sein. Dies erleichtert Forschenden auf der ganzen Welt den Zugang zu den im Museum bewahrten Objekten, die aus kolonialen Kontexten stammen. Viele Museen entscheiden sich vor dem Hintergrund von Datenschutz, Urheberrechten oder dem Umfang der hinterlegten Informationen dafür, nur einen Teil der gespeicherten Informationen in einer Datenbank zu publizieren. Dennoch stellen diese Online-Sammlungen einen wichtigen ersten Anknüpfungspunkt für Herkunftsgesellschaften, Communitys oder internationale Forscher*innen dar, die auf der Suche nach Sammlungen sind, die für ihre Fragestellungen relevant erscheinen. Ausführliche Informationen für die Zusammenarbeit mit Herkunftsgesellschaften bietet der Leitfaden „Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ des Deutschen Museumsbundes. 


Das antirassistische Museum geht aber auch proaktiv auf potenziell Interessierte zu und wirbt ihre Perspektive ein. Das Aufbauen und Etablieren eines internationalen Netzwerks sowie kooperative Forschungsanstrengungen können dazu beitragen, dominante historische Erzählungen zu dekonstruieren, um zugleich neue und vielfältigere Geschichten darzustellen. Darüber hinaus umfasst antirassistische Forschung im Museum eine kontinuierliche Provenienzforschung und die damit einhergehende aktive Restitution von Sammlungsgütern. Die Überprüfung der eigenen Sammlung mit einem diskriminierungssensiblen Blick ist eine wichtige Kernaufgabe, um darauf aufbauend antirassistische Sammlungs- und Ausstellungspraktiken sowie Bildungskonzepte zu entwickeln. 

Hausgeschichte und gegenwärtige Position kritisch hinterfragen 
Koloniale und rassistische Strukturen wirken nicht nur in Sammlungen fort, sondern ebenfalls in der Institution und ihren Praktiken selbst. Antirassistisches Forschen im Museum geht daher über die Bereiche Sammlungen und Ausstellungen hinaus. Die eigene historische Vergangenheit, die Gründung der Institution, ihre Akteur*innen, Forschungsprojekte und damit zusammenhängende Wissenskultur zu untersuchen, dient der Hinterfragung von Wissensproduktion und Deutungshoheiten. Dies trägt dazu bei, fortbestehende rassistische, koloniale und hierarchische Denkmuster zu reflektieren und daraus abgeleitete Fragen an die eigene aktuelle Arbeit zu richten. Antirassistisches Forschen bildet die Grundlage, um die eigene Position in der Gegenwart neu zu denken und zu gestalten.  

Antirassistisches Kuratieren und Ausstellen bedeutet, die eigenen Positionen kritisch zu hinterfragen, Vielfalt sichtbar zu machen und Machtverhältnisse zu reflektieren. Museen sind zentrale Orte gesellschaftlicher Verständigung. Gerade deshalb tragen Kurator*innen eine Verantwortung dafür, dass alle Teile der Gesellschaft in Ausstellungen repräsentiert werden.  

Kontextualisieren und Leerstellen sichtbar machen 
Antirassistisches Kuratieren beginnt bei der Themenwahl: Es gilt, marginalisierte Perspektiven sichtbar zu machen, um dominante Narrative zu hinterfragen. In der Objektauswahl sollten rassistische Darstellungen und koloniale Zusammenhänge kritisch kontextualisiert werden. Museen müssen entscheiden, ob bestimmte Objekte oder Fotografien gezeigt werden sollen. Viele Gedenkstätten präsentieren beispielsweise bewusst keine Bilder, die eine Täterperspektive repräsentieren, Opfer von Gewalt in entmenschlichender Weise zeigen oder aufgrund der dokumentierten Verbrechen (re-)traumatisiernde Wirkung haben können. Bei Bildern kolonialer und rassistischer Gewalt jenseits der beiden deutschen Diktaturen sind diese sensiblen pädagogischen Abwägungen oftmals noch nicht so eingeübt. Grafische Barrieren wie eine Schablone, ein Vorhang, eine Schublade oder spiegelndes Glas können eine Hilfe darstellen, da sie die Besucher*innen zu der Überlegung zwingen, ob und mit welcher inneren Haltung sie bestimmte Bilder oder Objekte betrachten möchten.  

Ebenso wichtig ist es, Leerstellen sichtbar zu machen: Welche Geschichten werden nicht erzählt? Wer wird nicht gezeigt und warum? Die bewusste Thematisierung solcher Abwesenheiten kann ein wirkungsvolles Mittel sein, um Strukturen der Unsichtbarmachung und die daraus entstehenden weißen Flecken musealer Erzählungen offenzulegen. Diskriminierungssensible und verständliche Sprache hilft dabei, unterschiedliche Menschen anzusprechen und diskriminierende oder exotisierende Begriffe zu vermeiden. Die Wortwahl ist nie neutral – sie prägt die Deutungshoheit und entscheidet darüber, wer sich angesprochen oder ausgeschlossen fühlt. 

Kooperativ und barrierefrei arbeiten 
Von zentraler Bedeutung ist eine konsequent partizipative Zusammenarbeit: Communitys und externe Expert*innen sollten frühzeitig in die kuratorische Arbeit eingebunden werden. Nur so können vielfältige Perspektiven authentisch eingebracht und sichtbar gemacht werden. Diese Form der Zusammenarbeit schafft Vertrauen und eröffnet Räume, um bestehende Mechanismen der Exklusion kritisch zu hinterfragen und strukturell abzubauen. 

Auch die Gestaltung der Ausstellung selbst erfolgt diskriminierungssensibel. Das bedeutet, potenzielle Benachteiligungen oder Nicht-Repräsentation(en) systematisch mitzudenken und abzubauen. Barrierefreie Zugänge, unterschiedliche mediale Formate und mehrsprachige Vermittlungsmaterialien sind grundlegende Bestandteile einer inklusiven Ausstellungspraxis. Kuratorische Entscheidungen – etwa über Reihenfolgen, räumliche Gewichtungen oder begleitende Vermittlungstexte – wirken sich nachhaltig auf die Wahrnehmung der Inhalte aus. 

Antirassistisch kuratieren heißt, Museen als offene Räume der Vielfalt, Teilhabe und kritischen Auseinandersetzung zu gestalten. Es bedeutet, etablierte Routinen zu hinterfragen, neue Perspektiven dauerhaft zu integrieren und Strukturen zu schaffen, die diskriminierungssensibel und langfristig tragfähig sind. 

Antirassistisch vermitteln 

Wer spricht?  
Die Reflexion und Offenlegung der eigenen Sprechhaltung ist in der antirassistischen Arbeit unumgänglich. Die eigene Lebensrealität und der eigene Erfahrungshorizont beeinflussen uns und die Art und Weise, wie wir Inhalte vermitteln. Durch eine Diversifizierung des Teams – festangestellt wie freiberuflich – und Partizipation können andere, marginalisierte und unterrepräsentierte Stimmen im Museum selbst zu Wort kommen. 

Mit wem (und wie) sprechen wir?  
Wer fühlt sich von unseren Inhalten, Ankündigungstexten, Kommunikationskanälen, angebotenen Sprachen und unserer Bildsprache angesprochen und wer nicht? Antirassistisches Vermitteln schafft inklusive Angebote, z. B. durch Mehrsprachigkeit oder durch Formate, die unmittelbar an die Lebenswelten des Publikums anschließen, das angesprochen werden soll. Auch zielgerichtete Angebote für bestimmte marginalisierte Gruppen, z. B. Safer-Space-Formate, kennzeichnen die antirassistische Vermittlungsarbeit.  

Neben der Art der Ansprache ist auch eine diskriminierungssensible und dekoloniale Sprache wichtig. Hierzu braucht es eine kontinuierliche Auseinandersetzung und Weiterbildung des Museumspersonals, ggf. mit Hilfe von externen Expert*innen.  

Über was sprechen wir?  
Museen sind keine neutralen Institutionen. Ihre vermeintliche Neutralität zu hinterfragen, bedeutet anzuerkennen, dass koloniale Werte und Vorurteile in vielen Museen tief verwurzelt sind. 
Dies gilt es zu reflektieren und in der Vermittlungsarbeit sichtbar zu machen. Dazu gehört eine Auseinandersetzung mit der eigenen Institutionsgeschichte. Diese Erkenntnisse fließen in das gesamte Vermittlungsprogramm ein. Zusätzlich können gezielt antirassistische bzw. selbstkritische Angebote konzipiert werden, z. B. eine Führung, ein Audioguide oder ein Begleitheft. Kolonialkritische Vereine, Initiativen und aktivistische Gruppen können ihre Expertise einbringen und für eine externe Begleitung bis hin zu einer diskriminierungskritischen Organisationsentwicklung angefragt werden.  

Aber Achtung: Zur antirassistischen Vermittlungsarbeit gehört auch, die eigene Zusammenarbeit mit Partner*innen, Akteur*innen und Multiplikator*innen machtkritisch zu gestalten. Das bedeutet konkret, dass die Zusammenarbeit auf Augenhöhe erfolgt, Kooperationspartner*innen in ihrer Expertise anerkannt werden und echte Gestaltungsmöglichkeiten erhalten. Expertise von außen wird angemessen monetär vergütet und die Autor*innenschaft sichtbar gemacht.  

Diskriminierungssensible Organisationskultur etablieren  
Antirassistische Museumsarbeit erschöpft sich nicht in den Bereichen Sammlung, Forschung, Ausstellung oder Vermittlung. Sie erfordert ebenso eine Auseinandersetzung mit den inneren Strukturen und der Organisationskultur des Museums. Denn wie glaubwürdig kann ein Museum nach außen wirken, wenn es im Inneren diskriminierende Routinen fortführt oder Mitarbeitende und Besucher*innen nicht ausreichend vor Benachteiligung schützt? 

Institutionelle Verantwortung bedeutet daher, die eigenen Rahmenbedingungen, Leitbilder und Arbeitsweisen kritisch zu prüfen und konsequent weiterzuentwickeln. Es geht darum, verbindliche Strukturen zu schaffen, die Diskriminierung vorbeugen, Beschwerden ernst nehmen und allen Beteiligten sichere Räume eröffnen. Rechtliche Vorgaben wie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) bilden hierfür einen Mindeststandard – entscheidend ist jedoch, darüber hinaus eine diskriminierungssensible Organisationskultur zu etablieren, die langfristig trägt und Vertrauen schafft.