Seit sieben Jahren befindet sich das LWL-Preußenmuseum Minden in einer grundlegenden Transformation – nicht nur programmatisch, sondern auch strukturell. 2026 eröffnen wir unsere neue Dauerausstellung „Potzblitz Preußen“. Als Museum verstehen wir uns als offenen Kulturort mit viel Raum für gegenseitigen Austausch, aber auch als Ort der historisch-politischen Bildung, der zu kritischer Reflexion von Geschichte und Gegenwart beiträgt. Dies gelingt, indem wir gegenwartsrelevante Themen wie Antisemitismus, (Post)Kolonialismus und Migration zu einem wichtigen Teil unserer Programmgestaltung machen. Dabei bleiben wir nicht nur in unseren Ausstellungsräumen, sondern nutzen zahlreiche Tools wie den museumseigenen Container, eine wandernde Litfaßsäule und eine Urban Gardening Ecke, um anders mit unserem Publikum in Kontakt zu kommen.
„Unsere Zusammenarbeit ist von Schnittmengen geprägt, aber auch von produktiven Differenzen. Genau diese Mehrperspektivität verstehen wir als Stärke für einen offenen, ehrlichen Austausch über institutionelle Veränderungsprozesse und einer permanenten Reflexion von Museumsroutinen und inhaltlicher Programmgestaltung.”
Hannah Meisinger, Kulturvermittlung und Sylvia Necker, Museumsleitung
Zeitraum
Seit 2019
Finanzieller Rahmen
Für unseren Neuerfindungsprozess gab es kein eigenes Budget, wir stemmen diesen im laufenden Betrieb.
Beteiligtes Personal im Museum
Alle! Vom Haus- und Museumstechniker, über die Leitung bis zum Besucherservice
Beteiligte externe Personen oder Gruppen
Der Neuerfindungsprozess war zunächst ein interner Prozess. In die Umsetzung der ersten Schritte haben wir jedoch vor allem lokale und regionale Kooperationspartner:innen wie Museen, Vereine, Verbände, Netzwerke und Kulturschaffende miteinbezogen.
Welche konkreten Maßnahmen wurden konzipiert und oder umgesetzt?
Auf übergeordneter Ebene und von unserem Prozess abgelöst fand eine Organisationsentwicklungsuntersuchung statt. Auf dieser Grundlage entwickelten wir, begleitet durch eine Moderation und verschiedene Workshops, einen Museumsentwicklungsplan (MEP), der nun in den kommenden 10 Jahren umgesetzt wird. Mit diesem MEP haben wir nun die Möglichkeit, die entwickelten Ideen und die begonnene Neuausrichtung unseres Hauses auch strukturell und langfristig zu verankern.
Die internen Abläufe wurden in allen Abteilungen/Bereichen des Museums gemeinsam komplett neu durchdacht, angepasst und strukturiert. Inhaltlich wurden zahlreiche neue Formate eingeführt wie die Blaupause (Vortragsreihe), Blauklang (Open-Air-Konzert-Reihe), Objekt-Text-Ton (Kooperation mit der Stadtbibliothek Minden), Museum im Gespräch (Kooperation mit der VHS Lübbecker Land), Platz da! (Kulturfestival auf dem Museumsvorplatz mit jährlich wechselnden Kulturpartner:innen aus der Region), Kulturcontainer (ein mobiles Museumsformat mit unterschiedlichen Bespielungen im, auf und um den Container), Litfaßsäule (mobiles Ausstellungsformat auf einer Litfaßsäule mit einer riesigen blauen Pickelhaube) und die Einrichtung einer Urban-Gardening Ecke auf dem Museumsvorplatz. Neu hinzu kommt dieses Jahr die BAUBAR. Der Name BAUBAR leitet sich aus der aktuellen Situation des Museums ab: Das LWL-Preußenmuseum Minden befindet sich im Umbruch, da die neue Dauerausstellung derzeit im Bau ist und eine inhaltliche Neuausrichtung des Hauses erfolgt. Die BAUBAR knüpft thematisch an diese Phase des Wandels an und versteht sich als ein Ort, der stetig veränderbar und flexibel nutzbar ist – ein Raum, der „baubar“ bleibt und von den Besucher:innen mitgestaltet werden kann. Die BAUBAR ist ein offener, frei zugänglicher Raum im Erdgeschoss des LWL-Preußenmuseums Minden, der während der Öffnungszeiten kostenlos genutzt werden.
Welche zentralen Learnings hat das Museum mitgenommen?
Keine Idee ist zu absurd, um daraus gemeinsam etwas Fantastisches zu entwickeln. Unser Credo ist daher: Mehr Unsinn machen!
Literatur und Weblinks
www.lwl-preussenmuseum.de
