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Projekteinblick: Das Museum Eberswalde

Unser Programm „Museum macht stark“ verfolgt das Ziel, Kinder und Jugendliche für das Museum zu begeistern und ihnen die Möglichkeit zu geben, ein Museum von innen kennenzulernen und selbst ein Teil davon zu werden.

Das Museum Eberswalde ist ein Museum für Stadt- und Regionalgeschichte und zeigt auf 700qm und drei Etagen seine 100-jährige Sammlung und ist dabei stets Dreh- und Angelpunkt für Schulklassen und Kindergruppen. Das Museum verfügt über langjährige Erfahrungen in der museumspädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und über Kontakte, Kooperationen und Netzwerke zu lokalen Akteuren in Schul- und Sozialarbeit der Stadt. Durch verschiedene Projekte in der Vergangenheit konnten Kinder in peripheren Strukturen der Stadt angesprochen und für die museumspädagogische Aktionen begeistert werden.

Die Projektleiterin Lisa Wedekind hat uns in einem Interview Fragen zum Projekt “Papier von hier” sowie zu Kulturelle Bildung in der Region beantwortet.

 

Was zeichnet euer Haus aus? Wie beeinflusst es eure Arbeit?

Im Museum Eberswalde wird die Stadt- und Regionalgeschichte erzählt, dabei zeichnet uns insbesondere das Alter des Hauses als ältestes Fachwerkhaus der Stadt und die zentrale Lage des Museums vis à vis des Finowkanals aus. Der Finowkanal – als älteste noch befahrbare künstliche Wasserstraße Deutschlands -, wurde einst als Transportweg für die Waren aus den Manufakturen und später Industrien gebaut und ist somit Zeugnis der industriellen Vergangenheit Eberswaldes. Das Museum berichtet von den Geschichten der Papierfabriken, der metallverarbeitenden Industrien und der Glashütten und setzt sie in den Kontext der heutigen Nutzung der Wasserstraße.

Viele Jahrhunderte lang war das heutige Museum Eberswalde eine Apotheke und beherbergte neben dem Verkaufsraum auch die Wohnräume der Apothekerfamilien. Unsere Arbeit zeichnet eine lebendiger Umgang mit der Geschichte aus, da bei einem Museumsrundgang zahlreiche Objekte bestaunt werden können, die etwa bei der Sanierung des Hauses gefunden wurden (wie z.B. ein mumifizierter Kater als „Glücksbringer“ und Bauopfer in der Wand). Gleichzeitig wird versucht, die Vermittlung von Geschichte so immersiv wie möglich zu gestalten. Als Beispiel wäre hier unser jüngst angelegter Museumsgarten zu nennen, um das alte Wissen der Apotheker um Heilpflanzen und Kräuter mit allen Sinnen für Interessierte erfahrbar zu machen.

Ihr habt ein Projekt im Rahmen von “Museum macht stark” umgesetzt. Wen habt ihr erreicht? Was war das Besondere an der Kooperation?

An dem Ferienprojekt „Papier von hier“ haben in den Osterferien 2026 19 Kinder aus verschiedenen Stadtteilschulen von Eberswalde und Finowfurt teilgenommen. Die meistens von ihnen hatten vorher wenig Berührungspunkte mit dem Museum Eberswalde, viele Kinder sind zweisprachig aufgewachsen und geprägt durch verschiedene Kulturkreise ihrer Familien. Durch die Kooperation mit den Bündnispartnern (Verein für Heimatkunde e.V. und Bürgerstiftung Barnim-Uckermark) und deren jeweilige Netzwerke wurde der Zugang zu jenen Familien erleichtert und die Bindung an das Museum gestärkt.

Das Projekt stand inhaltlich vor der Herausforderung 19 Kinder im Alter von 7-13 Jahre eine Woche lang durch die Ferien zu begleiten und dabei den Spagat zu schaffen zwischen Freizeitprogramm und Bildungsanspruch. Denn inhaltlich lag der Fokus in der Auseinandersetzung mit dem Material und der Herkunft des Papiers, sowohl auf künstlerischer und ökologischer als auch auf regionalgeschichtlicher Ebene. Das Ferienprogramm war als Ganztagsangebot von 9:30 bis 16:30 Uhr angesetzt, um der Gruppe den nötigen Raum zu geben, Ausflüge zur ehemaligen Papierfabrik zu unternehmen, im Wald dem Ursprung des Papiers zu begegnen oder eine eigene kleine Ausstellung mit den gefertigten Papierprodukten zu gestalten. Dem Team war bewusst, das Freizeitaktivitäten in den Ferien wie „Freunde treffen“, „Computer zocken“ oder „chillen“ als Gegenwicht zum inhaltlichen Programm im Museum eine starke Konkurrenz bieten und sind dieser Herausforderung mit viel Flexibilität, spielerischen Pausen und kreativen Angeboten begegnet. Alle 19 Kinder sind bis zum Schluss aktiv eingebunden beim Ferienworkshop im Museum geblieben und haben gemeinsam als Gruppe eine eigene Ausstellung zum „Papier von hier“ beim Abschlussfest des Projektes präsentiert.

Welchen Stellenwert haben außerschulische Angebote in eurer Arbeit?

Außerschulische Angebote bilden im Rahmen der Bildung & Vermittlung das Herzstück der museumspädagogischen Arbeit. Das Museum Eberswalde bietet über das Jahr verteilt verschiedene Formate für Kinder und Jugendliche am Nachmittag oder in den Ferien an. Dazu zählen Kunstaktionen, workshops, Schatzsuchen und Taschenlampenführungen ebenso wie spezielle jahreszeitliche Angebote wie „Papierschöpfen“ im Sommer oder „Seifenherstellung“ im Winter. Das museumspädagogische Angebot ist stets an die Ausstellungsinhalte im Museum Eberswalde angelehnt und versucht Kindern und Jugendlichen die Geschichte und Besonderheit ihrer Heimatstadt spielerisch zu vermitteln.

Wie ist die Idee zum Projekt entstanden?

Die industrielle Entwicklung von Eberswalde ist in der Ausstellung im Museum Eberswalde ein zentraler Baustein, sodass die Themen Papierherstellung, Papierfabriken, Recycling & Umweltbildung stets eine große Rolle spielen. Kindern die Geschichte ihrer Stadt spielerisch im Rahmen einer „Museums-Zeitreise in den Ferien“ zu vermitteln, konnte in der Vergangenheit bereits durch ein anderes Förderprojekt von „Museum macht stark“ umgesetzt werden. Dabei entdeckte das Team damals, den großen museumspädagogischen Wert im „tiefen Eintauchen von Themen“ durch mehrtägige Projekte, weil damit ausreichend Zeit und Raum gegeben sind, um ein Thema von mehreren Seiten intensiv zu beleuchten. Und da das Thema Papier seit Jahren zum Beispiel mit Programmen wie dem Papierschöpfen in der Museumspädagogik des Hauses eine beliebte Aktion darstellt, wurde das Osterferienthema 2026 „Papier von hier“ geboren.

Was braucht es (noch) für gute Projekte vor Ort?

Es braucht vor allem eine gute Vernetzung des Museums in der Stadt, die über die Jahre fokussiert und ausgebaut wird. Nur durch langfristige Kooperationen mit Schulen, Vereinen, Verbänden, Künstlern und anderen Kulturschaffenden, kann eine lebendige Museumsarbeit mitten in der Stadtgesellschaft erreicht und gefestigt werden. Darüber hinaus benötigt es – in unserem Fall als städtische Einrichtung – eine anhaltende Unterstützung durch die Stadtverwaltung, solche intensiven Projekte zu ermöglichen. Gemeint ist die langfristige Sicherung von Fachpersonal und Hilfskräften, aber auch der Abbau bürokratischer Hürden, um zielgruppenorientierte, nachhaltige Projektarbeit erfolgreich durchführen zu können.

Wie geht es weiter?

Das Museum Eberswalde hat einen neuen Antrag eingereicht, um die Kinder, die beim Projekt mitgemacht haben – ebenso wie weitere interessierte Kinder aus der Stadt und der Region – mit einem regelmäßigen wöchentlichen Angebot an das Museum zu binden. Denn nach der Osterferienwoche 2026 war das Interesse der Kinder, sich weiterhin im Museum regelmäßig zu treffen, so hoch, dass die Idee entstand, einen Museumsclub für Kinder zu gründen. Dieser soll künftig einen Raum bereitstellen, Kinder aktiv in die Gestaltung von geschichtlichen Themen miteinzubeziehen, sei es über einen eigenen Podcast, über Audioguides von Kindern für Kinder, eigene kleinen Ausstellungsformate oder der Mitgestaltung im Museumsgarten. Sollte der Förderantrag bewilligt werden, kann das Projekt am 1.1.2027 im Museum Eberswalde starten.

Welche Rolle können aus Deiner Sicht Museen spielen, um Bildungslandschaften positiv weiterzuentwickeln?

Museen können eine große Rolle spielen, um Bildungslandschaften positiv weiterzuentwickeln, wenn sie sich immer wieder mit sich selbst kritisch auseinandersetzen. Ein Museum heute hat eine andere Funktion als ein Museum vor 30 Jahren – Wissen kann mithilfe von KI, Gamification und Co. anders vermittelt werden, Emotionen und sinnliches Erleben gewinnen in Museen an Bedeutung. Wenn Museen diese Veränderungen in ihr Handeln und ihre Formate integrieren, können sie eine bedeutende Rolle innerhalb der außerschulischen Bildungslandschaften spielen.

Wie sieht ein (intensiver) Projekttag aus?

Ein intensiver Projekttag am Beispiel des Osterferienprojektes „Papier von hier“ sieht folgendermaßen aus: Das Team trifft sich eine Stunde vor Beginn des Projekttages, um den Raum vorzubereiten und die wichtigsten Abläufe zu besprechen. Ab 9:00 Uhr kommen die ersten Kinder in die Museumswerkstatt, um 9:30 Uhr startet der Morgenkreis mit einer Einführung in den Tagesablauf und einem Austausch über das Stimmungsbild in der Gruppe (wie geht’s uns heute? Was war gestern intensiv? Wo wollen wir heute hin?). Danach beginnt der erste inhaltliche Teil des Tagesprogramms, meist aufgeteilt in verschiedene Stationen, die parallel betreut werden. Jeder Projekttag widmet sich einem eigenen Themenbereich. So wird entweder zur Geschichte des Papiers geforscht, mit dem Material Papier experimentiert, Ausstellungskonzepte diskutiert oder über Nachhaltigkeit und Umweltschutz diskutiert. Nach etwa 1,5-2 Stunden gibt es eine Mittagspause und eine anschließende Pausenzeit, welche die Kinder draußen auf dem Hof oder drinnen im Aufenthaltsraum verbringen. Die zweite Nachmittagshälfte ist erneut gefüllt mit interaktiver Projektarbeit analog zum Vormittag sowie zusätzlichen Aktivitäten außerhalb der Museumswerkstatt (hier z.B. Museumsrundgänge, Spielplatz, Stadtraumerkundungen). Nach etwa 1,5-2 Stunden gibt es eine Mittagspause und eine anschließende Pausenzeit, welche die Kinder draußen auf dem Hof oder drinnen im Aufenthaltsraum verbringen. Die zweite Nachmittagshälfte ist erneut gefüllt mit interaktiver Projektarbeit analog zum Vormittag sowie zusätzlichen Aktivitäten außerhalb der Museumswerkstatt (hier z.B. Museumsrundgänge, Spielplatz, Stadtraumerkundungen). Nach einem Abschlusskreis endet der Projekttag für die Kinder um 16:30 Uhr, das Team ist meist 1-1,5 weitere Stunden vor Ort, um aufzuräumen und den nächsten Tag vorzubereiten.