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Foto: Karin Stör, Bildban.de

Projekteinblick: FRÄNKISCHE SCHWEIZ-MUSEUM Tüchersfeld

Unser Programm „Museum macht stark“ verfolgt das Ziel, Kinder und Jugendliche für das Museum zu begeistern und ihnen die Möglichkeit zu geben, ein Museum von innen kennenzulernen und selbst ein Teil davon zu werden.

Das FRÄNKISCHE SCHWEIZ-MUSEUM Tüchersfeld ist ein kommunales Regionalmuseum. Es wird von einem starken Zweckverband getragen, dessen Mitglieder die Landkreise Bayreuth, Forchheim, Bamberg und die Stadt Pottenstein sind. Das FRÄNKISCHE SCHWEIZ-MUSEUM versteht sich als Museum für alle und als Sacharchiv der Region. Es schützt Kulturgut und vermittelt Wissen an die Menschen. Als Regionalmuseum ist es tief in der Region verwurzelt und fungiert als Bildungs-, Identifikations- und Ausflugsort.

Die Projektleiter Dr. Fabian Wittenborn (Museumspädagogik Fränkische Schweiz Museum) und Andres Müller  (freier Medienpädagoge) haben uns im Interview einige Fragen zu Ihrer Arbeit und dem gemeinsamen Projekt beantwortet.

Was zeichnet euren Standort aus? Wie beeinflusst es eure Arbeit?

Das Fränkische Schweiz-Museum liegt in einer ländlich geprägten Region zwischen Bayreuth, Bamberg und Nürnberg mit dichter Kultur- und Landschaftsgeschichte und gilt als Wahrzeichen der Fränkischen Schweiz. Die Lage prägt unsere Arbeit: Geschichte wird über Alltags- und Lebenswelten vermittelt, Besucher:innen können selbst aktiv werden. Besonders Schüler:innen profitieren von partizipativen Formaten wie den Demokratieprojektwochen und Rollenspielführungen, in denen sie aktuelle oder historische Entwicklungen nachspielen, Entscheidungen treffen und Gemeinschaften hautnah erleben. Dabei erwerben sie Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, kritisches Denken und Kommunikationsfähigkeit.

Ihr habt ein Projekt im Rahmen von “Museum macht stark” umgesetzt. Wen habt ihr erreicht? Was war das Besondere an der Kooperation?

Im Projekt „Unsere Heimat, die Fränkische Schweiz und wir – ein medienpädagogisches Filmprojekt“ erreichen wir vor allem Schüler:innen der umliegenden Schulen. Durch die Präsentation der Filme in den Schulen wurden auch die gesamten Schulfamilien (Schüler, Eltern, Lehrkräfte) und die Kommunalpolitik einbezogen. Mit der Berichterstattung in der Presse wurde zudem die Öffentlichkeit angesprochen.
Besonders war, dass die Schüler:innen unter Anleitung selbstständig Themen auswählten, Drehbücher erarbeiteten und die Technik bedienten. Dabei stärkten sie Kompetenzen wie Kreativität, Selbstvertrauen, Organisation, Problemlösung, Kompromissbereitschaft, aktives Zuhören und Eigenverantwortung. Der erste Film erzielte sogar den zweiten Platz bei dem Filmwettbewerb Jufinale Oberfranken, worauf Schüler:innen, Eltern und Schule sehr stolz sind. Zwei Teilnehmende engagieren sich nun als Praktikant:innen weiter, was zeigt, dass durch das Projekt neue Perspektiven entstehen.

Welchen Stellenwert hat die kulturelle Bildung in eurer Arbeit?

Kulturelle Bildung ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit und zieht sich durch alle Angebote des Fränkische Schweiz-Museums. Seit 25 Jahren unterhält das Museum eine feste Museumspädagogik in Vollzeit, was die lange und starke Tradition kultureller Bildung unterstreicht. Wir verstehen das Museum als außerschulischen Lernort, an dem Geschichte, Kultur und Gegenwart miteinander verknüpft und erfahrbar gemacht werden. Dabei geht es uns nicht nur um Wissensvermittlung, sondern um Teilhabe, eigenes Gestalten und kritisches Nachfragen. Projekte wie „Museum macht stark“ ermöglichen es insbesondere jungen Menschen, ihre Perspektiven einzubringen und kulturelle Ausdrucksformen aktiv zu nutzen, wodurch kulturelle Bildung zu einem wichtigen Beitrag für Persönlichkeitsentwicklung und gesellschaftliche Teilhabe wird.

Wie ist die Idee zum Projekt entstanden?

Das Fränkische Schweiz-Museum Tüchersfeld verfolgt das Ziel Schüler:innen in unserer Region für Kultur, Geschichte und Heimat zu begeistern. Die Idee zu diesem Projekt entstand im Rahmen eines Vernetzungstreffens von „Bayern Kreativ“. Dort kamen die Medienpädagogen Andres Müller und Karin Stöhr von bildban.de mit Vertreterinnen und Vertretern der fränkischen Kultur- und Kreativszene ins Gespräch. Schnell wurde deutlich, dass sich museumspädagogische Inhalte ideal mit medienpädagogischer Arbeit verbinden lassen. Aus diesem Austausch entwickelte sich die Idee, Filmprojekte ins Leben zu rufen, die kulturelle Bildung mit kreativem, praktischem Arbeiten verbinden.
Ziel war es, Schüler*:innen nicht nur Wissen über regionale Geschichte zu vermitteln, sondern ihnen gleichzeitig wichtige Schlüsselkompetenzen näherzubringen: Teamfähigkeit durch die gemeinsame Arbeit an einem Film, Selbstvertrauen durch das Präsentieren eigener Ideen und Ergebnisse sowie Kreativität durch die eigenständige Entwicklung von Drehbuch, Szenen und filmischer Umsetzung. Das Museum wurde dabei zur inspirierenden Kulisse und zum inhaltlichen Ausgangspunkt für eigene Geschichten und Perspektiven.
Den Auftakt machten Schülerinnen und Schüler aus den beiden Deutschklassen der Mittelschule Gößweinstein, vor allem junge Geflüchtete aus der Ukraine. Für diese Schüler:innen bot das Projekt eine besondere Chance: Neben dem Kennenlernen der fränkischen Kultur und Geschichte konnten sie ihre Deutschkenntnisse praktisch anwenden und erweitern. Gleichzeitig eröffnete das Filmprojekt neue Ausdrucksmöglichkeiten jenseits sprachlicher Barrieren. Durch die gemeinsame kreative Arbeit entstanden nicht nur filmische Ergebnisse, sondern auch neue Perspektiven, gestärktes Selbstbewusstsein und ein Gefühl der Zugehörigkeit zur Region.
So wuchs aus einer Begegnung beim Vernetzungstreffen eine Projektidee, die kulturelle Bildung, Medienkompetenz und soziale Integration auf innovative Weise miteinander verbindet.

Was braucht es (noch) für gute Projekte vor Ort?

Für gute Projekte vor Ort brauchen wir vor allem ausreichende finanzielle Drittmittel, um Material, Technik und Personal für vielfältige und qualitativ hochwertige Angebote bereitzustellen, die wir aus den laufenden Eigenmitteln nicht bewältigen könnten. In der heutigen Finanzierungslage der Museumslandschaft sind niedrigschwellige Fördermittel von zentraler Bedeutung. Ebenso wichtig sind engagierte Kooperationspartner, wie Schulen, Vereine oder lokale Expert:innen, die Praxiswissen und Motivation einbringen. Ein gut ausgestatteter, flexibler Raum im Museum erlaubt es, unterschiedliche Formate – von Workshops bis Filmprojekten – umzusetzen. Schließlich braucht es Zeit und finanzielle und personelle Kontinuität, damit Projekte sorgfältig geplant, durchgeführt und nachhaltig ausgewertet werden können.

Wie geht es weiter?

Im Herbst wird es ein weiteres medienpädagogisches Filmprojekt bei uns im Museum geben. Inhaltlich wird sich dieses Mal alles um das Mittelalter sowie um die rund 950-jährige Geschichte Gößweinsteins und seine Entstehung drehen. Was genau erzählt wird, steht dabei noch offen, da die Schüler:innen im Projekt eigene Geschichten entwickeln, die sie anschließend filmisch umsetzen.
Perspektivisch hoffen wir auf eine neue Förderperiode von „Kultur macht stark“ ab 2028, um erneut Projekte im Fränkische Schweiz-Museum in Tüchersfeld realisieren zu können und die erfolgreiche Arbeit weiterzuführen.

Welche Rolle können aus Deiner Sicht Museen spielen, um ländliche Räume positiv weiterzuentwickeln

Museen können in ländlichen Räumen wichtige kulturelle und gesellschaftliche Ankerpunkte sein. Sie fördern Identität und Regionalbewusstsein, machen Geschichte und Traditionen erlebbar und bieten Orte für Begegnung, Austausch und Bildung. Durch innovative Programme für Schulen, Familien und Erwachsene können sie lokale Gemeinschaften stärken und neue Besucher:innen anziehen. Museen können zudem Impulse für Tourismus, Kooperationen mit Vereinen und kulturelle Netzwerke geben. So tragen sie langfristig zur Attraktivität und Entwicklung ländlicher Regionen bei.

Wie sieht ein (intensiver) Projekttag aus?

Die Projekttage sehen ganz unterschiedlich aus, da sich der Ablauf über mehrere Phasen erstreckt.
In den ersten beiden Projekttagen entwickeln die Schüler:innen gemeinsam die Geschichte, schreiben das Drehbuch, bestimmen die Besetzung und gestalten die Dialoge. Dazu gehören auch die Suche und Auswahl geeigneter Drehorte sowie das Beschaffen von Requisiten und Kostümen für die Dreharbeiten.
Anschließend wird an drei Tagen intensiv geprobt und gedreht. Die Kinder und Jugendlichen übernehmen dabei unterschiedliche Aufgaben vor und hinter der Kamera: Sie spielen Rollen, führen die Kamera, angeln den Ton, übernehmen die Aufnahmeleitung oder schlagen die Filmklappe.
Der nächste Projekttag ist der Postproduktion gewidmet. Das entstandene Material wird gesichtet und geschnitten, passende Musik und Geräusche werden ausgewählt, ein Titel gefunden und – je nach Projekt – auch Sprachaufnahmen ergänzt.
Ganz am Ende steht die große, festliche Premiere. Die Interviews auf der Bühne werden vorbereitet und geprobt, bevor der Film im Rahmen einer Premiere mit rotem Teppich gezeigt wird. Gemeinsam mit der gesamten Schulfamilie, Eltern, Vertreter:innen aus Kommune und Region sowie geladenen Gästen wird das Ergebnis gefeiert. Für die Projektteilnehmenden ist dies ein besonderer Moment, in dem ihr Engagement mit wohlverdientem Applaus gewürdigt wird.