Nostalgie im Geschichtsmuseum? Im Spannungsfeld zwischen Idealisierung und Identifikation

Dresden, Sachsen

HERBSTTAGUNG 2026
der Fachgruppe Geschichtsmuseen im Deutschen Museumsbund

29. bis 30. Oktober 2026 im Stadtmuseum Dresden, Dresden

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Nostalgie ist im öffentlichen Raum in vielfältiger Form sichtbar – ob als „Ostalgie“, in Reboots längst beendeter Fernsehsendungen oder auch in politischen und gesellschaftlichen Diskursen. Wie gehen Geschichtsmuseen mit Nostalgie um? Sehen sie darin nur naive Vergangenheitsverklärung, die ignoriert oder höchstens dekonstruiert werden müsse, oder kann Nostalgie neben einem Beitrag zu den Besuchszahlen auch eine Beförderung von Geschichtsbewusstsein und positiver Identifikation auslösen?
Insbesondere Museen, die sich zunehmend Partizipation und Teilhabe auf die Fahnen schreiben, werden mit den populären und emotional eingefärbten Geschichtsvorstellungen ihres Publikums konfrontiert, in denen Retro-Trends, Heritage-Tourismus und kommerzialisierte Formen der Vergangenheitssehnsucht einen festen Platz einnehmen. Zugleich wird zunehmend deutlich, dass es in einer diversen Gesellschaft sehr unterschiedliche Formen von Geschichtsbildern, zentralen Erinnerungsmomenten und dazugehöriger Nostalgie gibt. Wie gehen Geschichtsmuseen damit um, und wie reagieren sie darauf?
Eine Auseinandersetzung mit Nostalgie, die auch nach ihren Potentialen fragt, zielt letztlich darauf ab, den Stellenwert affektiver, immersiver und performativer Formen des Umgangs mit der Vergangenheit im Museum neu zu bestimmen. Damit wird zugleich am Selbstverständnis vieler Geschichtsmuseen gerüttelt, in denen die an der Geschichtswissenschaft orientierte Forschung nach wie vor eine zentrale Grundlage kuratorischer Arbeit bildet.
Kleinere Einrichtungen („Heimatmuseen“) greifen in ihrer Ausstellungs- und Vermittlungsarbeit häufig auf nostalgische Darstellungsformen zurück. Nostalgie fungiert dabei als zentraler Zugang zur regionalen Geschichte, indem sie Identifikationsangebote schafft und das Gefühl von Zugehörigkeit im Sinne „der Heimat“ stärkt. Gleichzeitig ist dieser Zugang ambivalent: Die Tendenz zur Idealisierung vergangener Lebenswelten kann soziale Konflikte, Ungleichheiten oder historische Brüche ausblenden. Viele kleinere Regionalmuseen stehen daher vor der Herausforderung, zwischen identitätsstiftender Emotionalisierung und kritischer Kontextualisierung zu vermitteln.