Die ehrenamtliche Projektgruppe „Unsere 90er“ traf sich von Oktober 2023 bis Juli 2024 regelmäßig, um eigenverantwortlich Interviews zu führen. Die inhaltliche und methodische Vorbereitung erfolgte in Workshops mit externen Expert*innen (Projektwohnung krudebude, Queer Voices Leipzig, Oral-History-Experte Christian Schmidt). Die Gruppe fand selbstständig Zeitzeugende, setzte sich intensiv mit den Themen der 90er Jahre auseinander und diskutierte, welche Erinnerungen in die Ausstellung einfließen sollten. In aufwendiger Arbeit entstanden so Audioaufnahmen, Porträtfotos und Kurzfassungen der Interviews. Das Ergebnis bilden fünf Hörstationen in der Ausstellung sowie eine umfangreiche Broschüre. Die Interviews werden langfristig in der Museumssammlung archiviert.
Die Zeitreise untersuchte, wie Jugendliche die 90er Jahre in Leipzig erlebt haben, indem es im Januar und Februar 2025 zwei Generationen in einen direkten Austausch brachte: Teenager von heute trafen auf Erwachsene, die die Nachwendezeit als Jugendliche erlebt hatten (Jahrgänge 1975–1980). Ziel war ein Dialog auf Augenhöhe, der Raum für Themen bot, die in familiären Kontexten oft unausgesprochen bleiben. In Oral-History-Workshops erlernten die teilnehmenden Jugendlichen Methoden der zeithistorischen Forschung und entwickelten eigene Leitfäden für Interviews. Die Erkenntnisse wurden mit Hilfe von professionellen Kunstschaffenden in kreativen Medienformaten wie Podcasts, Videoprojekten und Fotostrecken aufbereitet. Das Projekt zeigt, wie partizipative Vermittlungsmethoden junge Menschen dazu befähigen, sich selbstständig mit Zeitgeschichte auseinanderzusetzen. Die Ergebnisse werden auf einer interaktiven Website und Medienstation in der Ausstellung zugänglich gemacht.
„Die regelmäßigen Treffen über mehrere Monate sowie die stetige Auseinandersetzung miteinander ermöglichten echte Teilhabe und ein kleines Stück demokratische Aufarbeitung des Transformationsprozesses der 90er.“
Tim Rood, Outreach & Museumsentwicklung
„Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung zeigt das Projekt, wie Museen als demokratische Räume fungieren können – indem sie junge Menschen aktiv in die historische Bildung einbinden und generationenübergreifende Dialoge ermöglichen.“
Annemarie Riemer, Bildung und Vermittlung
Zeitraum
2023 bis 2025
Finanzieller Rahmen
8.000 Euro (Unsere 90er)
Beteiligtes Personal im Museum
Eine Person Outreach und eine Person Vermittlung, teilweise Ausstellungskurator*innen
Beteiligte externe Gruppen oder Personen
Insgesamt 18 Engagierte in den zwei Projektgruppen
Formen der Partizipation
Partizipative Projektarbeit, selbstständige Oral History, Citizen Science und partizipative Kuration von Ausstellungsteilen
Welche Programmformate sind daraus entstanden?
Partizipative Ergebnisse in der Ausstellung, Vermittlung, Dialogdonnerstage, Open Air Rave, Workshops, Podiumsdiskussionen
Was sind die wesentlichen Learnings für das Museum?
Projektarbeit braucht viel Vor- und Nachbereitung, selbst eine feste Outreach-Stelle hat begrenzte Kapazitäten, Partizipation bindet Stadtgesellschaft an das Museum, wichtige Erfahrung der Selbstwirksamkeit für Beteiligte, neue wichtige Perspektiven für das Museum.
Literatur und Weblinks zum Projekt
www.zeitreise-leipzig.de
