Was erzählt dieses Projekt über Eure Art zu arbeiten und darüber, wie Ihr Euch in komplexe Themen hineindenkt?
Bei Projekten beginnt unsere Arbeit nicht mit der Gestaltung, sondern mit der Frage: Was muss die visuelle Lösung leisten und welche Botschaft soll sie transportieren? Ein Siegel ist mehr als ein grafisches Element. Es schafft Orientierung, Vertrauen und Sichtbarkeit. Deshalb haben wir uns zu Beginn intensiv damit auseinandergesetzt, wofür dieses Siegel stehen soll: für Haltung, Zukunftsfähigkeit und die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft von Museen, die aktiv Verantwortung übernehmen und sich weiterentwickeln möchten. Gleichzeitig sollte das Siegel Anerkennung vermitteln: eine Auszeichnung für Museen, die diesen Weg bereits gehen, und zugleich andere dazu ermutigen, ihn ebenfalls einzuschlagen. Es sollte Exklusivität ausstrahlen, ohne distanziert zu wirken.

Welche Überlegungen stecken hinter Form, Farbe und Typografie des Siegels?
Aus diesen strategischen Überlegungen heraus haben wir die Anforderungen an Form, Farbe und Anwendung definiert. Das Siegel sollte eine klare Wiedererkennbarkeit schaffen und gleichzeitig unabhängig vom jeweiligen Erscheinungsbild eines Museums funktionieren. Da im Vorfeld nicht feststand, wo, wie und in welchen Größen es eingesetzt werden würde, waren Flexibilität und Adaptierbarkeit zentrale Gestaltungskriterien. Die Gestaltung musste sowohl auf einer Hauswand als auch in kleinen digitalen Anwendungen oder als Stempel funktionieren. Deshalb haben wir eine kompakte, prägnante Form entwickelt, die auch in reduzierten Größen klar lesbar bleibt. Die runde Siegelstruktur schafft eine Verbindung zu klassischen Auszeichnungsformen und vermittelt gleichzeitig Zugehörigkeit. Wer das Siegel trägt, ist Teil einer Gemeinschaft von zertifizierten Museen. Gleichzeitig bringt die Gestaltung eine positive und einladende Ebene mit ein. Der Smiley steht für Anerkennung und Motivation. Die Zertifizierung soll nicht nur als Prüfung verstanden werden, sondern als positiver Schritt nach vorne.

Welche Bildideen oder klassischen Nachhaltigkeitssymbole habt Ihr bewusst nicht gewählt?
Wir haben bewusst auf klassische Nachhaltigkeitscodes wie Blätter, Naturmotive, Kreislaufsymbole oder eine reine Zuordnung über die Farbe Grün verzichtet. Der Grund dafür war, dass die Zertifizierung nicht nur eine einzelne Dimension von Nachhaltigkeit beschreibt. Es geht um eine umfassendere Haltung und um die langfristige Zukunftsfähigkeit von Museen. Das Siegel sollte deshalb nicht einfach bekannte Nachhaltigkeitssymbole wiederholen, sondern eine eigene visuelle Sprache entwickeln, die den ganzheitlichen Ansatz der Zertifizierung widerspiegelt.
Wenn das Siegel eine Botschaft an Museen senden könnte, welche wäre das?
„Zeigt, dass Ihr diesen Weg geht.“
Das Siegel macht sichtbar, wofür ein Museum steht: für Verantwortung, Weiterentwicklung und den aktiven Blick in die Zukunft. Es zeigt, dass Veränderung ein bewusster Prozess ist und etwas, worauf man stolz sein kann. Dabei darf das Siegel selbstbewusst präsentiert werden, an der Hauswand, auf der Website oder in der Kommunikation. Gleichzeitig soll es andere Museen dazu motivieren, diesen Weg ebenfalls einzuschlagen. Denn das Siegel ist nicht nur eine Auszeichnung für das, was bereits erreicht wurde. Es ist ein Zeichen dafür, dass ein Museum aktiv an seiner Zukunft arbeitet und Teil einer Gemeinschaft ist, die gemeinsam neue Standards setzt.
Vielen Dank für die Einblicke in den Gestaltungsprozess.

Über MüllerValentini
MüllerValentini ist ein Designstudio aus Berlin, das Marken, Erscheinungsbilder und Kommunikationskonzepte entwickelt. Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist stets die Frage, welche Botschaft Gestaltung vermitteln soll und welche Wirkung sie entfalten kann. Für „Ausgezeichnet nachhaltig!“ gestaltete das Studio ein Siegel, das den nachhaltigen Entwicklungsprozess von Museen sichtbar macht und zugleich Anerkennung, Motivation und Gemeinschaft ausdrückt.
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