Das Museum für Franken und der Künstler Marc Haselbach führen gemeinsam das Outreach-Projekt „Wunder für Franken“ durch (2022–32). Der Künstler kommt jährlich für sechs Wochen an einem wechselnden Ort mit Menschen ins Gespräch und sammelt ihre „Wunder“: Gegenstände, die persönliche (Lebens-)Geschichten aus der Region erzählen. Die entstehende Wunderkammer wird am letzten Tag öffentlich präsentiert. Die „Wunder“ werden digital archiviert und sind Basis für die erste Sonderschau des neu konzipierten Museums 2032.
„Bei dem Projekt ‚Wunder für Franken‘ geht es darum, der Essenz Frankens auf die Spur zu kommen. Was bewegt uns, welche Objekte prägen unsere persönliche Geschichte und was zählt wirklich im Leben der Einzelnen?“
Veronika Genslein, Projektleitung und stellvertretende Direktorin des Museums für Franken
Zeitraum
2022 bis 2032: jährlich ca. sechs Wochen im Sommer
Finanzieller Rahmen
15.000 Euro pro Jahr
Beteiligtes Personal im Museum
Projektleitung: Veronika Genslein, Leitung Bildung & Vermittlung und Stellv. Direktorin
Dokumentation: Saskia Rupp, Sammlungsmanagerin / Anna-Sophia Karl, Digitalmanagerin
Kommunikation: Sarah Merabet, Marketingreferentin
Einrichtung Wunderkammer: Museumstechnik
Beteiligte externe Gruppen oder Personen
Künstler Marc Haselbach, Erfinder der mobilen Wunderkammer, Wundersammler
Bewohner*innen der jeweiligen Regionalzentren, Wundergebende
Jeweilige Stadt: Bürgermeister*innen und städtische Angestellte, z. B. Kulturreferate
Formen der Partizipation
Sammeln, Ausstellen, Vermitteln: Menschen bringen ihre Gegenstände inkl. selbst formulierter Geschichte in die jeweilige Wunderkammer ein. Diese werden in die digitale Sammlung des Museums aufgenommen, zugänglich gemacht und in der ersten großen Sonderausstellung des neuen Museums 2032 präsentiert.
Deutungshoheit abgeben: Das Museum ist nicht am Entscheidungsprozess beteiligt, wer ein Wunder abgibt oder welche Wunder abgegeben werden. Die Regeln dafür hat der Künstler selbst aufgestellt (keine Gewalt, keine Pornografie) und entscheidet eigenständig über die Aufnahme.
Die Zielgruppe wird allein durch den Standort definiert (Regionalzentren 10.000–15.000 Menschen): Alle Menschen aus der Region dürfen mitmachen und machen auch mit – Schulkinder, Bäckereifachverkäufer*innen, Stadtratsmitglieder, Hausmeister*innen, Bankangestellte, Menschen ohne festen Wohnsitz. Der Künstler ist an einem zentralen öffentlichen Ort zu finden, lebt sich in die Stadtgesellschaft ein und besucht auch Randbezirke, Dörfer, Feste, Institutionen. Erreicht wird eine deutlich andere Zielgruppenstruktur als bei anderen Angeboten des Museums, und multiperspektivisches Sammeln wird so erst möglich.
Welche Programmformate sind daraus entstanden?
Ausstellung vor Ort: Wachsende Wunderkammer kuratiert vom Künstler und den Wundergebenden.
Abschlussveranstaltung „Tag der Wunder“, bei dem die Wunder von den Beteiligten erzählt werden.
Geplant: Sonderausstellung „Wunder für Franken“ im neu konzipierten Museum.
Was sind die wichtigsten Learnings für das Museum?
Vertrauensperson Künstler: Der beteiligte Künstler, Marc Haselbach, hat das Talent, auf unterschiedlichste Menschen offen, wertfrei und mit dem richtigen Tonfall zuzugehen, Kommunikation und Beziehungen aufzubauen und Begeisterung zu wecken. Ohne ihn würde das Konzept nicht funktionieren.
Keine Einmischung: Museumsmitarbeitende können ihre „Brille“ nicht einfach abstreifen. Um in einem kommunikativen Umfeld wirklich anders und wertfrei handeln zu können, ist es wichtig, sich aus Prozessen ganz heraushalten zu können. Das Museum beschränkt sich auf Organisation und Dokumentation.
Nachhaltige Netzwerke entstehen: Mit den Stadtverwaltungen und Institutionen in ganz Franken besteht nun eine Beziehungsbasis, ein guter Austausch und damit ein Netzwerk, das das neue Museum für Franken kaum anders hätte knüpfen können.
Literatur und Weblinks zum Projekt
www.museum-franken.de
