Arbeitskreis Migration

Besucher einer Führung des Projekts „Multaka“ im Vorderasiatischen Museum

Staatliche Museen zu Berlin, Vorderasiatisches Museum, Foto: Anton Roland Laub

Die Gründung des Arbeitskreises geht auf das Werkstattgespräch “Museum – Migration – Kultur – Integration”, das im Dezember 2009 vom Deutschen Museumsbund im Berliner Museum für Kommunikation ausgerichtet wurde, zurück. Aus dem Werkstattgespräch heraus wurden von den teilnehmenden Museen und Verbänden gemeinsame Aufgaben und Ziele für einen bundesweiten und spartenübergreifenden Arbeitskreis von Museen in einem Memorandum formuliert. Im Rahmen der Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes fand am 5. Mai 2010 die konstituierende Sitzung des neu gegründeten Arbeitskreises Migration statt.

Der Arbeitskreis Migration trifft sich zu zwei Tagungen im Jahr. Ein Treffen findet im Rahmen der Jahrestagung des Deutschen Museumsbunds statt, das zweite im Herbst an einem beteiligten Museum.

Dietmar Osses
Stiftung Ruhr Museum
Gelsenkirchener Str. 181
45309 Essen
Tel.: 0201 2468 1412
dietmar.osses@ruhrmuseum.de

Dr. Bora Akşen
Focke-Museum
Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte
Schwachhauser Heerstraße 240
28213 Bremen
Tel.: 0421-699 600 37
aksen@focke-museum.de

Bewegte Geschichten, feste Systeme?

Migration trifft Dokumentation

am 13. Mai 2026 in Münster

Ort: Historisches Rathaus Münster, Prinzipalmarkt 10, 48143 Münster

Im Rahmen der Jahrestagung 2026 des Deutschen Museumsbundes in Münster findet die gemeinsame Frühjahrstagung des Arbeitskreises Migration und der Fachgruppe Dokumentation statt.

Unter dem Titel „Bewegte Geschichten, feste Systeme? Migration trifft Dokumentation“ widmet sich die Tagung der Frage, wie Migration als prägender Bestandteil gesellschaftlicher Diversität museale Sammlungen, Dokumentationspraxis und Wissensorganisation herausfordert – und wie diese Herausforderungen produktiv aufgegriffen werden können.

Migration als ein Teil von gesellschaftlicher Diversität prägt museale Sammlungen auf unterschiedliche Weise. Viele Museen arbeiten verstärkt daran, diese sichtbar zu machen und ihre Sammlungen durch relevantes materielles und immaterielles Sammlungsgut, Perspektiven und Geschichten zu erweitern. Daraus ergibt sich die Frage, wie diese lange Zeit übersehene Vielfalt adäquat dokumentiert, beschrieben, systematisiert und kontextualisiert werden kann. 

An dieser Schnittstelle treffen sich die Arbeitsfelder des Arbeitskreises Migration und der Fachgruppe Dokumentation. 

In der Praxis zeigt sich dabei, dass Dokumentationsstandards und -tools nur bedingt auf die Bedarfe eines migrationssensiblen Wissensmanagements vorbereitet sind. Entitäten, semantische Zuordnungen, Vokabulare und Anwendungssysteme stoßen an Grenzen, wenn es darum geht, komplexe Migrationsgeschichten, Mehrfachzugehörigkeiten, Erfahrungswissen oder transnationale Bezüge angemessen abzubilden.  

Die gemeinsame Tagung nimmt diesen Befund zum Anlass, die Überschneidungen, Spannungsfelder und Potenziale beider Arbeitsbereiche in den Blick zu nehmen. Sie lädt dazu ein, bestehende Dokumentationspraktiken zu reflektieren, weiterzudenken und neue Wege zu erproben. Im Fokus stehen Fragen nach einer sensiblen, verantwortungsvollen und zukunftsfähigen Wissensorganisation in einer von Migration geprägten Gesellschaft: Wie lassen sich komplexe Migrationsgeschichten adäquat erfassen? Welche Begriffe, Kategorien und Standards prägen museale Dokumentation – und wie können sie kritisch überprüft, geöffnet oder weiterentwickelt werden? Welche Rolle spielen dabei partizipative Ansätze, Mehrstimmigkeit und die Reflexion von Machtverhältnissen? Wie kann die Migrationsgesellschaft selbst z. B. über Citizen Science Projekte einbezogen werden?

Ort: Historisches Rathaus Münster, Prinzipalmarkt 10, 48143 Münster

Programm

9.00     Begrüßungen

9.15     Kennenlernen und Austausch

       Interaktives Format

10.00   „Verlinkt oder verloren – Migrationsgeschichten im Datenbanklabyrinth

       Auftaktimpuls von Regine Heuchert und Anne Mahn, TECHNOSEUM in Mannheim 

10.30   Pause

11.00   Praxiseinblicke

  • Ewa Kruppa, Museum Friedlang: Vom Erzählcafé zum lebensgeschichtlichen Interview: ein Streiflicht auf die Sammlungstätigkeit und ihre Herausforderungen am Museum Friedland, einem Ort der Migrationsgeschichte und der Gegenwart
  • Svetlana Boltovska, Museum Berlin-Karlshorst: Dokumentation der Migrationsgeschichten im Museums Berlin-Karlshorst

12.00   Pause

13.00   Fortsetzung Praxiseinblicke

  • Christian Möller, Institut Historisches Museum: Migrationsgeschichte(n) im Historischen Museum Bielefeld (AT)
  • Barbara Weber, Bernisches Historisches Museum: Rassismuskritische Dokumentation. Ein Handbuch für GLAM-Institutionen

14.00   Gemeinsame Auswertung 

15.00   Ende

Zum Auftaktimpuls „Verlinkt oder verloren – Migrationsgeschichten im Datenbanklabyrinth“

  • Regine Heuchert als Datenbank-Managerin und Anne Mahn als Kuratorin der Sammlung Alltagskultur aus dem TECHNOSEUM in Mannheim berichten von der Neubewertung von Sammlungsobjekten und Neuanschaffungen mit Geschichte. Wie legt man Videos, Audiodateien und Einverständniserklärungen gut ab? Dabei geht es auch um fehlende Schlagworte, rassistische Beschreibungen und die Einbindung von Zeitzeug*innen.

Referent*innen

  • Regine Heuchert ist Dipl.-Biologin, heute ist sie Wissenschaftliche Dokumentarin am TECHNOSEUM und zuständig für die Koordinierung der Inventarisation sowie Pflege der Objektdatenbank.
  • Anne Mahn hat irgendwann Germanistik und Kunstgeschichte studiert und ist über die Industrie- und Sozialgeschichte zur Technikgeschichte gekommen. Sie ist am TECHNOSEUM als Kuratorin auch für das Sammlungsgut zur Alltagskultur zuständig. (www.anne-mahn.de)
  • Svetlana Boltovska, seit 2020 Sammlungsleiterin im Museum Berlin-Karlshorst. Ort der Kapitulation, 2015-2020: Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg, Leibniz Gemeinschaft, mehrere Projekte zur Ukraine, Digital Humanities, Kulturerbe; 2010-2015: Ethnologische Sammlung, Städtische Museen Freiburg, u.a. Ausstellung Tschernobyl: Expeditionen in ein verlorenes Land“ (https://www.zwo-elf.de/tschernobyl-expeditionen-in-ein-verlorenes-land/https://www.amazon.de/Tschernobyl-Expeditionen-ein-verlorenes-Land/dp/3865686923); Promotion im Bereich Migrationsforschung „Bildungsmigranten aus dem subsaharischen Afrika in Moskau und St. Petersburg: Selbst- und Fremdbilder“ (https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-86226-825-2), Albert-Ludwigs-Universität Freiburg 2013, Studium Slavistik und Ethnologie, auch an der Uni Freiburg, noch Radiojournalistin bei Radio „Dreyeckland“ in Freiburg, Autorin bei der Zeitschrift iz3w.de.
  • Ewa Kruppa ist seit Ende 2017 am Museum Friedland tätig. Dort leitet sie den Bereich Sammlung und Archiv. Zuvor absolvierte sie ein Studium der Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin und der Konservierungswissenschaft an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Nach Tätigkeiten als Restauratorin am Museum Weserburg und am Landesmuseum Hannover widmet sie sich der umfassenden Erschließung der Museumssammlung von materiellem und immateriellem Kulturgut und allen Belangen rund um das Thema Sammeln und Archivieren. Aktuell forscht sie zum Thema der Friedland-Siedlung und beleuchtet die Rolle der karitativen Einrichtungen beim Wohnungsbau der Nachkriegszeit.
  • Barbara Weber ist Leiterin der Dokumentation im Bernischen Historischen Museum und Mitglied der Arbeitsgruppe Critical GLAM. Sie ist Kunsthistorikerin und Historikerin. 

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Foto: Werner Huthmacher

Neuer Leitfaden: Museen in der Migrationsgesellschaft, 2026