Das Volobotschafter*innen-Programm

 

Der AK Volontariat im Deutschen Museumsbund e.V. kümmert sich nicht nur um die Belange der aktuellen Volontär*innen. Ein wesentliches Mittel um einen Standard für gute wissenschaftliche Volontariate zu gewährleisten, ist die Kommunikation und Vernetzung auch mit Studierenden und Volontariats-Interessierten.

Aus diesem Gedanken heraus, entstand das Volo-Botschafter-Projekt. Volontär*innen sollten benötigtes Material – eine PowerPoint-Präsentation – von der Homepage des AK Volontariat herunterladen. Damit sollten die „Botschafter*innen“ beispielsweise an ihrer Alma Marta Studierende über das Berufsfeld Museum und das Volontariat informieren. Jede Veranstaltung sollte einzeln über ein – ebenfalls auf der Website herunterzuladendes Formular – angemeldet werden. Dafür konnte man Ausgabematerial – wie den Leitfaden des Deutschen Museumsbundes zum Wissenschaftlichen Volontariat an Museen – in einer beliebigen Stückzahl bestellen, welche angegeben werden musste. Die grundlegenden Probleme bei dieser Vorgehensweise war zum einen, dass der AK Volontariat keinen Überblick hatte wie viele Botschafter*innen und in welchen Bundesländern aktiv sind und auch nicht welche Informationen genau gestreut werden. Eine Verbesserung der Lage der Volontär*innen in Deutschland kann somit nicht erreicht werden. Eine Überarbeitung des Konzeptes wurde daher notwendig.

So wurde 2020 das Volobotschafter*innen-Programm entwickelt. Im Kern dieses Programms steht die Aufklärung der Studierenden und Interessierten – Aufklärung darüber was ein gutes sowie nach den Richtlinien des Leitfadens vorbildliches Volontariat ausmacht und wie man es bereits bei der Jobsuche während der Bewerbungsphase an bestimmten Kriterien – bereits anhand der Stellenanzeige – erkennen kann. Ein wesentliches Ziel ist es, mit dieser Schwerpunktsetzung vor sogenannten Scheinvolontariaten zu warnen. Angehende Volontär*innen sollen bereits vor Antritt sensibilisiert und noch während ihres Studiums über die Vor- und Nachteile eines Volontariats sowie ihre Rechten und Pflichten informiert werden. Wichtig ist nämlich: Ein wissenschaftliches Volontariat ist kein rechtsfreier Raum, sondern es gibt Beschlüsse und Richtlinien, die errungen wurden und weiterentwickelt werden. Damit soll ein differenziertes Bild von einem wissenschaftlichen Volontariat gezeichnet und über Vorbildliche Volontariate anhand des Leitfadens aufgeklärt werden. Es sollen Hilfestellen – wie der AK Volontariat im Deutschen Museumsbund – gezielt genannt werden. Die Chancen eines Vorbildlichen Volontariats sollen genauso benannt werden, wie die Fallen bzw. Gefahren, in die man tappen kann, ohne Volontariate im Allgemeinen zu verteufeln oder zu loben. Es bleibt noch immer die individuelle Entscheidung des Bewerbers oder der Bewerber*in und soll keine Berufsberatung im herkömmlichen Sinne darstellen.

Das Problem der Scheinvolontariate beschäftigt stetig nicht nur den Bundes-AK Volontariat und die AGs/AKs der einzelnen Bundesländer, auch der DMB ist sich dieser Problematik bewusst und bestrebt, das Volontariat als Ausbildung mit gewissen Standards zu festigen.

Durch präventive Aufklärung der angehenden Volontär:innen können sich diese gezielter auf Stellen bewerben und bei Bewerbungsgesprächen die richtigen Fragen stellen. Das Ziel sind wissende und mündige Bewerber*innen. Dies stärkt nicht nur das Selbstbewusstsein bei den Bewerber*innen selbst, sondern beugt auch einem Antritt von fraglichen Stellenangeboten vor. Auf Dauer soll dies einen Druck von unten auf den Arbeitsmarkt aufbauen, denn Scheinvolontariate, die als solche bereits im Vorfeld identifiziert wurden, werden weniger (geeignete) Bewerbungen erhalten.

Um dieses Programm mit den Zielen und Methoden, die der AK Volontariat vereinbart hat, umsetzen zu können, werden die Materialien in Hinblick auf diese Grundsätze überarbeitet. Mit Hilfe der Länder AKs/AGs werden Volobotschafter*innen rekrutiert und diese auch aktiv verwaltet. Zur Verwaltung des Programms soll eine Stelle im AK Volontariat eingerichtet werden, wofür derzeit ein Rollenprofil erstellt wird. Damit soll die Umsetzung gewährleistet werden. Diese Stelle soll die frühere Alumni-Stelle reaktivieren.

Die Botschafter*innen erhalten ein Zertifikat über ihre ehrenamtliche Tätigkeit, die für eine bestimmte Dauer mit formlosen Nachweis über die Veranstaltungen ausgeführt werden soll. Wichtig bleibt für den AK Volontariat, den Kontakt mit den Botschafter*innen und damit Feedback zu erhalten. Wissen soll nicht mehr verloren und wertvolle Erfahrungen stattdessen weitergetragen werden. Als Botschafter*in sollen sich daher Volontär*innen im zweiten Jahr, vor allem aber Alumni anmelden können. Das Engagement unter den Alumni ist sehr groß und soll an dieser Stelle gefördert sowie strukturiert werden.

Die Rückmeldungen bezüglich des Programms, welche der AK Volontariat über eine E-Mail-Umfrage erhalten hat, waren durchweg positiv. Einige Interessenten haben sich sogar schon bereit erklärt, als Botschafter*innen aktiv sein zu wollen. Von den Länder AKs/AGs gab es die Rückmeldung, dass auch bei Ihnen solch ein Projekt besprochen wird, aber ein Kanal und eine größere Organisation dazu fehlt. Auf der letzten zwecks der Covid-19-Pandemie stattfindenden digitalen Herbsttagung 2020 mit den Sprecher*innen der Länder AKs/AGs wurde das Programm in seiner neuen Organisation sowie Struktur mit dem Wunsch nach einer längeren Bindung/Verbundenheit der Botschafter*innen an und mit dem AK Volontariat sehr positiv aufgenommen und weitere konstruktive Vorschläge zur Umsetzung gegeben. So wurde erst einmal eine Verpflichtung der Botschafter*innen für ein Jahr mit Option auf Verlängerung beschlossen.

Die Botschafter*innen werden mit ihren Kontakten über die Dauer der Verpflichtung in einer Liste geführt. Dabei soll stets gewährleistet werden, dass zwar dem Wunsch nach zentraler Organisation und bestimmten Regeln bzw. konkreten Richtlinien als Rahmen und fester Struktur der Tätigkeit nachgegeben, aber gleichzeitig den Botschafter*innen die größte Freiheit in der Gestaltung ihrer Tätigkeit – natürlich unter Berücksichtigung der Qualitätsanforderungen und den bereitgestellten Hilfsmaterialien – gelassen wird. So verbleibt die konkrete Veranstaltungsorganisation und Wahl des Veranstaltungsortes sowie der Veranstaltungsgröße bei den Volobotschafter*innen. Als erster Ansprechpartner bei allen Fragen hilft die neue Stelle im AK Volontariat. Das Engagement der Botschafter*innen soll damit gefördert und Raum für kreative Ideen ohne zu große Hürden oder Bürokratie gegeben werden. Beispielsweise können die Botschafter*innen nicht nur selbst an die Universitäten gehen, sondern Studierende könnten als Exkursion eines Seminars eines museumsrelevanten Faches das Museum des Botschafters/der Botschafterin besuchen. Damit werden praktische Anknüpfungspunkte geschaffen. Vorzugsweise regionale Umkreise der Botschafter*innen vermeiden lange Anreisen. Auch digitale Veranstaltungen sind möglich.

Die Universitäten sollen ebenfalls auf dieses Programm aufmerksam gemacht werden und nur zertifizierte Botschafter*innen für die Vorstellung des Volontariats im Museumsbereich zulassen. Das für wird ein einfacher Ausweis für die Volobotschafter*innen erstellt.

Auf Dauer findet damit eine Professionalisierung der Arbeit statt, welche trotzdem eine einfache Umsetzbarkeit und eine Entlastung des AK Volontariat gewährleistet, ohne die Kontrolle über die wesentlichen Inhalte und Ziele sowie Umsetzung gemäß den Richtlinien im Sinne des DMB zu verlieren.

Perspektivisch soll die Stelle im AK Volontariat ein „Botschafter*innen-Netzwerk“ aufbauen sowie verwalten. Sie soll die Kommunikation unter den Botschafter*innen entstehen lassen und fördern. Damit kann auf Dauer ein neu gestaltetes aktives und verbundenes Alumni-Netzwerk geschaffen werden. Die Botschafter*innen sollen in die jährlichen Tagungen des AK Volontariat aktiv eingebunden und damit Kommunikation gefördert werden. Workshops und weitere attraktive Angeboten sollen in Zukunft das Programm vielseitig ausbauen und eine Plattform für junge starke Museumsmitarbeiter*innen gestalten, die ihr Wissen an folgende Generationen weitergeben möchten.

Ein Testlauf des Programmes ist noch in diesem Jahr 2021 geplant.

 

Mareike Ahlers und Katrin Dexheimer