1. Was ist die Zertifizierung „Ausgezeichnet nachhaltig!“?
„Ausgezeichnet nachhaltig!“ ist ein branchenspezifisches Nachhaltigkeitssiegel für Museen. Es verankert ökologische, soziale und kulturelle Nachhaltigkeit als festen Bestandteil der Qualitätsentwicklung.
Die Zertifizierung orientiert sich in weiten Teilen an den Kriterien des Österreichischen Umweltzeichens für Museen sowie an den Inhalten der Leitfäden „Standards für Museen“ (2023) und „Klimaschutz im Museum“ (2023). Gleichzeitig erweitern wir den Blick bewusst um soziale und ökonomische Aspekte, um Nachhaltigkeit ganzheitlich zu denken.
2. Für wen ist die Zertifizierung geeignet?
Die Zertifizierung richtet sich an Museen aller Gattungen, Größen und Trägerschaften. Die Kriterien sind so gestaltet, dass sie für unterschiedliche Museumstypen und -größen anwendbar sind. Voraussetzung ist die Bereitschaft, Nachhaltigkeit strukturiert, langfristig und teamübergreifend zu bearbeiten.
3. Was wird geprüft?
Die Prüfung basiert auf einer Dokumentenprüfung durch die unabhängige Zertifizierungsstelle (DEKRA). Bewertet werden:
- Erfüllung aller Muss-Kriterien
- Erreichen einer Mindestpunktzahl bei den Soll-Kriterien
- Nachvollziehbare, prüfbare Dokumentation
- Qualitative Selbsteinschätzungen ohne Nachweise reichen nicht aus.
4. Welche Handlungsfelder umfasst der Kriterienkatalog?
Insgesamt neun Bereiche:
- Management & Organisation
- Gebäude & Freiflächen
- Abfall & Kreislaufwirtschaft
- Büro & Druck
- Mobilität
- Veranstaltungen
- Gastronomie
- Shop
- Soziales
5. Was sind Muss-Kriterien?
Muss-Kriterien sind verpflichtend.
Sie können als „nicht relevant“ markiert werden, wenn:
- das Kriterium objektiv nicht zutrifft (z. B. kein Museumsshop),
- Anlagen nicht vorhanden sind (z. B. keine Klimaanlage),
- die Verantwortung dauerhaft außerhalb des Einflussbereichs liegt,
- rechtliche Gründe (z. B. Denkmalschutz) entgegenstehen.
In diesem Fall ist eine kurze schriftliche Begründung erforderlich.
6. Wie funktioniert die Punktevergabe bei Soll-Kriterien?
Die Mindestpunktzahlen richten sich nach der Zahl der Vollzeitäquivalente eines Museums:
- Ehrenamtlich/klein < 5 VZÄ: 30 Punkte
- Klein 5–19 VZÄ: 40 Punkte
- Mittel 20–49 VZÄ: 50 Punkte
- Groß > 50 VZÄ: 60 Punkte
Zusätzlich können Eigeninitiativen eingebracht werden:
- vollständig umgesetzt: 1,5 Punkte
- teilweise umgesetzt: 1 Punkt
7. Was gilt als Nachweis?
Zum Beispiel:
- Konzepte, Leitlinien, Protokolle
- Energieabrechnungen, Verträge (z. B. Entsorgung, Beschaffung)
- Dokumentationen (Fotos, Rechnungen, Zertifikate, Bescheinigungen, E-Mail-Verläufe)
- Teilnahmebestätigungen
- Links (bitte immer mit Screenshots der Website)
- interne Beschlüsse
- Nachweise über Abstimmungen mit Eigentümer:innen oder Trägern
- Sofern Sie ein (Muss-)Kriterium noch nicht final abgeschlossen haben, können Sie Informationen zum aktuellen Stand zur Erfüllung des Kriteriums anbringen, bitte immer mit definiertem Ziel, Zeitplan und Umsetzungsvorhaben angeben. Hier kann im Ermessen der/des Auditor:in entschieden werden, ob das Kriterium als erfüllt abgeschlossen werden kann oder nicht.
- Sie können auch von einzelnen Kriterien auf andere Kriterien verweisen, wenn hier ein Nachweis zu einzelnen Kriterien vorliegen. Bitte denken Sie hier auch die Synergien mit, die sich hier ergeben und vermerken Sie diese in den Kommentaren.
Tipps:
- Geben Sie immer Seitenzahlen/Dateipfade an, um den Prüfer:innen die Zuordnung zu erleichtern.
- Bitte reichen Sie keine Word-Dateien ein.
- Bitte machen Sie bei Links auch immer einen Screenshot von der genannten Seite, sodass der Inhalt im Falle einer Löschung der Seite nicht verloren geht.
- Machen Sie Fotos, um Aussagen zu belegen.
- Geben Sie keine personenbezogenen Daten an.
8. Wie läuft das Prüf- und Antragsverfahren ab?
- Erarbeitung der Nachweise (ca. 9-12 Monate)
- Einreichung aller Nachweise bei der DEKRA (per SharePoint, WeTransfer etc.)
Bitte reichen Sie Ihre Unterlagen selbstständig bei der DEKRA ein.
Kontakt: Simon Fink, simon.fink[at]dekra.com - Vollständigkeitsprüfung durch externe Auditor:innen (ca. 4 Wochen)
- Online Dokumenten-Prüfung (Desktopaudit)
- Laufzeit: 3 Jahre
9. Was passiert, wenn ein Museum Anforderungen nicht erfüllt?
Das Museum erhält eine Rückmeldung und Hinweise, welche Anpassungen bis wann erforderlich sind. Eine erneute Prüfung ist möglich. Die Entscheidung über die Siegelvergabe erfolgt erst nach erfüllten Kriterien.
10. Wie viel Zeit muss eingeplant werden?
Je nach Ausgangssituation sollte für den gesamten Prozess, von der Vorbereitung bis zur finalen Prüfung, mit ca. 9 bis 12 Monaten gerechnet werden. Museen, die bereits strukturiert im Bereich Nachhaltigkeit arbeiten, können deutlich schneller vorankommen, da viele Grundlagen und Nachweise bereits vorliegen.
Mindestens eine Person sollte die Verantwortung für den Zertifizierungsprozess übernehmen. Da Nachhaltigkeit ein Querschnittsthema ist, braucht es jedoch regelmäßige interne Abstimmungen und die punktweise Einbindung des gesamten Teams.
Für die verantwortliche Ansprechperson empfiehlt es sich, einen wöchentlichen Arbeitsaufwand von etwa 2–5 Stunden einzuplanen. Der tatsächliche Aufwand hängt von der vorhandenen Dokumentationslage, der Größe des Hauses und der internen Abstimmungsstruktur ab.
11. Was kostet die Zertifizierung?
Kosten entstehen ausschließlich für die Audits. Diese richten sich nach der Zahl der Vollzeitäquivalente eines Museums:
- Ehrenamtlich/klein < 5–19 VZÄ: 500 €
- Mittel 20–49 VZÄ: 1.000 €
- Groß > 50 VZÄ: 1.500 €
12. Was passiert nach erfolgreicher Prüfung durch die DEKRA?
Schreiben Sie uns eine Mail. Wir schicken Ihnen das Siegel für die Außenkommunikation zu, z.B. auf Ihrer Website oder in der Pressearbeit. Auf Anfrage erhalten Sie das Siegel auch als Sticker für Ihr Museum.
Kontakt: Deutscher Museumsbund, office[at]museumsbund.de
13. Wie beginnt man am besten?
- Verantwortliche Person benennen
- Team frühzeitig einbinden
- Kriterienliste sichten
- Verantwortlichkeiten zuweisen
- Dokumente sammeln und im Toolkit strukturieren
- Regelmäßige kurze Abstimmungen organisieren
- Kommunizieren Sie regelmäßig über Ihren Nachhaltigkeitsprozess.
14. Was ist das Toolkit?
Das Toolkit ist eine strukturierte Ordnerarchitektur, die Museen hilft:
- Unterlagen systematisch zu sammeln
- Nachweise eindeutig abzulegen
- Verantwortlichkeiten und Zeitplanung festzuhalten
- Den Überblick während des Prozesses zu behalten
- Bei guter Pflege wird es zum langfristigen Nachhaltigkeitsinstrument.
15. Wie verhält sich die Zertifizierung zu etablierten Energie- und Umweltmanagementsystemen, wie ISO14001 oder EMAS?
Unser Ansatz setzt vor allem bei strategischen Stellschrauben an: Wir unterstützen Museen bei der Entwicklung eines Aktionsplans, eines Nachhaltigkeitskonzepts und bei der Datenerhebung – als Basis für eine CO₂-Bilanz oder auch für ein späteres Managementsystem wie EMAS oder ISO 14001. Im Unterschied zu diesen Systemen berücksichtigt die Zertifizierung die spezifischen Rahmenbedingungen und Herausforderungen einer vielfältigen Museumslandschaft.
16. Wurde die Zertifizierung bereits in der Praxis getestet?
Ja. Sechs Museen haben die Kriterien in einer Pilotphase in der Praxis getestet und ihre Erfahrungen eingebracht. Die Ergebnisse sind bereits in die Weiterentwicklung der Zertifizierung eingeflossen. Erfahren Sie hier mehr über die Pilotmuseen!
17. Ist eine CO2-Bilanz verpflichtend?
Derzeit ist eine CO₂-Bilanz kein Muss-Kriterium, da der Aufwand gerade für kleinere Häuser zu hoch sein kann. Als Soll-Kriterium wirkt sie sich jedoch positiv auf die Bewertung aus. Erfahren Sie hier mehr zu CO2-Bilanzierungen und warum sie für Ihre strategische Ausrichtung im Bereich ökologischer Nachhaltigkeit relevant sein kann.
Frage nicht beantwortet? Schreiben Sie uns eine E-Mail!
Nutzen Sie auch unser Angebot der Klimasprechstunden für Ihre Fragen rund um das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit!
Wir freuen uns, mit Ihnen in Kontakt zu kommen!