© Stadtmuseum Tübingen

Positive Effekte des freien Eintritts belegt

Das Stadtmuseum Tübingen erfährt durch eine schriftliche Befragung mehr über seine Besucherinnen und Besucher.

Wir
Das Stadtmuseum Tübingen präsentiert in der Dauerausstellung die Stadtgeschichte sowie Leben und Werk der Scherenschnittkünstlerin Lotte Reiniger. Außerdem richtet es jährlich 4-6 Sonderausstellungen aus. Im Rahmen der Neukonzeption der Dauerausstellung führen wir seit 2017 eine Besucherbefragung durch.

Unsere Ziele
Erfassen unseres Besucherprofils sowie deren Präferenzen und Bedürfnisse. Fokus der Umfrage liegt auf motivationalen Aspekten des Museumsbesuchs, Exponatvorlieben, Mediengestaltung, der Resonanz auf Öffentlichkeitsarbeit sowie demographischen Angaben.

Unser Vorgehen
Fachwissenschaftler, Museumspädagogen und Kuratoren erstellten einen Fragebogen in Kooperation mit Psychologen des Leibniz-Instituts für Wissensmedien (Tübingen) zur Einbeziehung der kognitionspsychologischen Perspektive der Besuchermotivation. Der Fragebogen enthält multiple-choice ebenso wie offene Fragen und kann auf Deutsch oder Englisch ausgefüllt werden. Die schriftliche Erhebung wird sowohl mit Papierfragebögen als auch mit Tablets durchgeführt. Bisheriger Rücklauf: ca. 700 Bögen in 10 Monaten.

Unsere Ergebnisse
Bemerkenswerte Ergebnisse ergaben die Fragen, wie die Besucher auf uns aufmerksam geworden sind: Die traditionellen Printmedien (27%)spielen eine bedeutendere Rolle als das Internet (8%). 20% besuchen uns durch Empfehlung von Bekannten, die Mehrzahl stößt bei einem Stadtrundgang zufällig zu uns. Innerhalb des Untersuchungszeitraumes konnte das Museum ab einem bestimmten Zeitpunkt freien Eintritt gewähren. Die Anzahl der Spontanbesuche stieg daraufhin von 18% auf erstaunliche 55%. Die Besucherzahl hat sich seitdem etwa verdoppelt. Bei den motivationalen Gründen für den Museumsbesuch liegt das Interesse, etwas über die eigene Vergangenheit zu erfahren, höher als das, sich über die Stadtgeschichte zu informieren. Die Bedeutung des persönlichen Bezugs zum Exponat darf nicht unterschätzt werden.

Nutzung der Ergebnisse
Die erhöhte Besucherzahl durch den freien Eintritt soll als überzeugendes Argument für den Gemeinderat genutzt werden, dies beizubehalten. Da das Internet als Informationsquelle nur eine geringe Rolle spielt, muss die Web-Präsenz ausgebaut werden. Da zwei Drittel der Besucher als Grund für einen erneuten Museumsbesuch eine neue Sonderausstellung angeben, wollen wir diesen Bereich durch zusätzliche wechselnde Studioausstellungen und Projekte ausbauen.
Um die Attraktivität der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung zu erhöhen, wird diese mittelfristig neu konzipiert und es wird überlegt, wie diese ebenfalls abwechslungsreich und mit wechselnden Modulen attraktiver gemacht werden kann.

Unsere Empfehlung für andere Museen
Wenn Sie eine Studie in Ihrem Museum durchführen möchten, überlegen Sie sich vorher genau, was Sie herausfinden wollen. Für die Neukonzeption unserer stadtgeschichtlichen Dauerausstellung war es wichtig, Erkenntnisse darüber zu erzielen, wie sich die Präferenzen und das Verhalten der Besucher beim Besuch der Dauer- bzw. der unterschiedlichen Wechselausstellungen unterscheiden. Um die kognitionspsychologische Perspektive der Besuchermotivation mit einzubeziehen, war die Unterstützung des Leibniz-Instituts für Wissensmedien Tübingen (IWM) war bei der Erstellung des Fragebogens äußerst hilfreich.