„Das Museum ist der ideale Raum, um Menschen auf mehreren Ebenen zu erreichen – der Traum aller Campaigner:innen.“
Etienne Denk, Fridays For Future.
Als öffentliche Einrichtung müssen Museen Nachhaltigkeit aktiv leben und als Vorbild agieren. Nachhaltigkeit ist nicht nur ein übergeordnetes Ziel, sondern vor allem ein ganzheitlicher Ansatz, ein fortlaufender Prozess und eine Querschnittsaufgabe im Museum. Dies muss auch in der Öffentlichkeitsarbeit aufgegriffen werden, indem offen und transparent über Fortschritte und Fehlschläge, Practice-Beispiele und den Umgang mit Zielkonflikten berichtet wird. Dabei muss für gelebte Nachhaltigkeit das ganze Museum mitziehen.
Museen können so zu Aushandlungsorten für eine nachhaltige Organisationsentwicklung werden und modellhaft und visionär zeigen, wie die Umstellung auf ein ressourcenschonendes, energiesparendes und sozial nachhaltiges Arbeiten auf den Weg gebracht werden kann.
Zielgerichtete Nachhaltigkeitskommunikation bedarf fachlicher Expertise. Holen Sie sich ggf. professionelle Unterstützung und stellen Sie eine Nachhaltigkeitskommunikationskampagne auf.
Interne Kommunikation und Beteiligung
Die aktive Einbindung von Mitarbeitenden ist ein zentraler Erfolgsfaktor für die nachhaltige Transformation von Museen. Nachhaltigkeit sollte daher von Beginn an nicht als Zusatzaufgabe, sondern als gemeinsame Querschnittsaufgabe verstanden werden. Ziel ist es, Mitarbeitende und Kolleg:innen aktiv in Veränderungsprozesse einzubeziehen und sie als Mitgestalter:innen der Entwicklung zu gewinnen.
Viele Museen nutzen bereits unterschiedliche Formate, um über Nachhaltigkeit zu informieren und den Austausch zu fördern. Dazu gehören Workshops, interne Newsletter, Leitbilder, Vorstandsberichte, Teammeetings, Treffen von Nachhaltigkeits-AGs oder Nachhaltigkeitsbeauftragten, Mitarbeitendenzeitschriften, analoge Aushänge sowie Intranet- oder Wiki-Angebote. Gleichzeitig zeigte sich im Austausch mit Museen, dass großes Potenzial darin liegt, Nachhaltigkeit stärker in bestehende Kommunikations- und Entscheidungsstrukturen zu integrieren.
Besonders wirksam wird Nachhaltigkeitskommunikation dann, wenn sie Teil der Regelkommunikation wird. Dazu gehören beispielsweise feste Tagesordnungspunkte in Team- und Leitungsrunden, die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten in Jour fixes, Projektbesprechungen und Entscheidungsprozessen sowie die Integration in Ausstellungsplanung, Programmarbeit, Briefings, Leitfäden und Ausschreibungen. Auch die Einbindung von Nachhaltigkeitsverantwortlichen in Leitungs- und Steuerungsstrukturen stärkt die organisatorische Verankerung des Themas.
Zur Information und Aktivierung der Mitarbeitenden können unterschiedliche Beteiligungs- und Qualifizierungsformate eingesetzt werden, beispielsweise:
- Auftaktveranstaltungen, Workshops und Vorträge für die gesamte Belegschaft
- regelmäßige Informations- und Austauschformate mit Feedbackmöglichkeiten
- Arbeitsgruppen oder Nachhaltigkeitsteams
- interne Schulungen und Qualifizierungsangebote
- Coachingprogramme durch externe Expert:innen oder geschulte Mitarbeitende
- betriebsinterne Energiesparaktionen oder Wettbewerbe, die das Ausprobieren und Lernen fördern
- Bildungs- und Hospitationsangebote mit Nachhaltigkeitsbezug
Für eine erfolgreiche Kommunikation empfiehlt sich eine positive, lösungsorientierte und motivierende Ansprache. Nachhaltigkeit sollte möglichst nicht über Verzicht oder Alarmismus kommuniziert werden, sondern über konkrete Beispiele, sichtbare Fortschritte und gemeinsame Gestaltungsmöglichkeiten. Eine wichtige Erkenntnis aus dem Austausch mit Museen lautet: Eine Einladung zur Beteiligung wirkt häufig stärker als ein Appell.
Hilfreich ist es zudem, bereits erreichte Fortschritte sichtbar zu machen, laufende Prozesse transparent zu kommunizieren und den Nutzen von Maßnahmen verständlich zu erläutern. Unterschiedliche Zielgruppen benötigen dabei unterschiedliche Zugänge, von wirtschaftlichen Argumenten über organisatorische Vorteile bis hin zu gesellschaftlichen und fachlichen Perspektiven.
Praxis-Tipp: Weitere Anregungen zur Förderung umweltbewussten Verhaltens von Mitarbeitenden bietet der Leitfaden „Mitarbeitermotivation für umweltbewusstes Verhalten“ des Bayerischen Landesamtes für Umwelt: https://www.umweltpakt.bayern.de/werkzeuge/mitarbeitertipps/
So wird Nachhaltigkeit Schritt für Schritt zu einem selbstverständlichen Bestandteil der Organisationskultur und des Arbeitsalltags im Museum.
Extern – Sensibilisieren und Mobilisieren
Machen Sie Ihr Engagement im Bereich Nachhaltigkeit öffentlich! Sensibilisieren Sie dadurch Externe und mobilisieren Sie diese zum eigenen nachhaltigen Handeln.
- Kommunizieren Sie transparent über Ihren Nachhaltigkeitsprozess auf Ihrer Website oder über andere Kommunikationskanäle. Veröffentlichen Sie beispielsweise Ihre Klimabilanz und ihre Zielsetzungen und Maßnahmen. Kommunizieren Sie auch über Rückschläge und Schwierigkeiten.
- Erstellen Sie Infotafeln, die bspw. für den Energieaufwand der Nutzung eines Aufzugs im Museum, die Erfassung des Flächenaufwands des Museumsparkplatzes oder eines Neubaus sensibilisieren.
- Bieten Sie Besucher:innen die Möglichkeit des kommunikativen Austauschs über Ihren Nachhaltigkeitsprozess, bspw. durch Pinnwände oder auf Ihrer Website.
- Werden Sie ein Museum For Future. Durch die Unterzeichnung der Deklaration verpflichten Sie sich dazu, aktiv Maßnahmen zum Klima- und Umweltschutz umzusetzen und regelmäßig über Ihre Aktivitäten zu kommunizieren.
- Sensibilisieren Sie Ihre Besucher:innen und Kolleg:innen für einen umweltverträglichen Ressourceneinsatz (“Think twice, bevor printing this E-Mail”).
- Rücken Sie bei Ihrer Kommunikation auch die Vielfalt in den Vordergrund:
- Achten Sie auf eine gendergerechte Sprache und Diversity-Kommunikation zur Erhöhung der Inklusion.
- Binden Sie verstärkt außereuropäische Perspektiven auf Inhalte und in der Kommunikation mit ein.
- Weiterführende Informationen finden Sie in den Leitfäden: Zum Umgang mit kolonialen Kontexten; Museen, Migration und kulturelle Vielfalt; Das inklusive Museum.
Vertrauen ist gut, Evaluation ist besser!
Um die Erfolge Ihrer Nachhaltigkeitskommunikation messbar zu machen, können prozessbegleitende Evaluationsmaßnahmen mit Besucher:innen und Mitarbeiter:innen helfen. Mehr Infos dazu finden Sie hier:
- Leitfaden des DMB „Hauptsache Publikum! Besucherforschung für die Museumspraxis“ (https://www.museumsbund.de/wp-content/uploads/2019/03/handreichung-web-190325.pdf)
- Patricia Munro, Eva Siekierski, Monika Weyer „Wegweiser Evaluation. Von der Projektidee zum bleibenden Ausstellungserlebnis“ (2009)
- Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz „Zum Erfolg der Umweltbildung“ (NNA Berichte 21. Jahrgang, Heft 1, 2008)
- Christiane Griese, Helga Marburger, Thomas Müller „Bildungs- und Bildungsorganisationsevaluation. Ein Lehrbuch“ (2016)
Weiterführende Literatur und Links zum Thema Nachhaltigkeitskommunikation:
- „Über Klima sprechen. Das Handbuch“, München 2022.
Kostenloser Download hier: https://klimakommunikation.klimafakten.de/download-handbuch/ - Zusammenfassung des ARGE Nachhaltigkeit-Treffens „Grün von innen, grün nach außen. Nachhaltigkeit als Kulturpraxis im Museum“ des Museumsbund Österreich: Museumsbund
- Der Leitfaden: „Auf dem Weg zu grünen Museumsmitarbeiter:innen. Ein Leitfaden für mehr Klimaschutzbewusstsein“ von Angelika Kronreif. Download