Menschenskulptur aus Metall vor Abbildung des afrikanischen Kontinents
Übersee-Museum Bremen, Foto: Matthias Haase

Koloniales Erbe

Fragestellungen im Hinblick auf den Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten sowie menschlichen Überresten in Museen und Sammlungen bilden einen wichtigen Bereich der Provenienzforschung.

Seit den 1990er Jahren melden sich weltweit die von den Auswirkungen des Kolonialismus Betroffenen und seine Opfer verstärkt zu Wort. Im Jahr 2007 verabschiedete die UNO die Erklärung über die Rechte der indigenen Völker. Wenig später erreichte die Debatte Deutschland, und zwar vor allem mit Forderungen an die ethnologischen Museen, sich ihrer kolonialen Vergangenheit zu stellen. Diese Diskussion hat nicht nur die deutschen Museen vielfach unvorbereitet getroffen.

Aus Sicht des Deutschen Museumsbundes ist eine Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit von Museen und ihren Sammlungen unverzichtbar. Eine Vielzahl musealer Sammlungen in Deutschland ist zwischen dem 17. und dem frühen 20. Jahrhundert entstanden. „Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ betrifft damit nicht nur die ethnologischen Museen, sondern alle Museumsgattungen. Um die Sensibilisierung der betroffenen Institutionen mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und die Bereitstellung von Hilfsmitteln für die Praxis zu ermöglichen, wurde der Leitfaden zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten erarbeitet. In der vorliegenden ersten Fassung, die von Experten im Auftrag des deutschen Museumsbundes erarbeitet wurde, formuliert der Deutsche Museumsbund zunächst eine eigene Haltung zu diesem wichtigen und hoch komplexen Thema. Diese erste Fassung wird im Rahmen eines internen Workshops mit Experten aus unterschiedlichen Herkunftsländern/-gesellschaften im Oktober 2018 zur Diskussion gestellt und um eine internationale Perspektive erweitert. Die zweite überarbeitete Auflage des Leitfadens inkl. dieser internationalen Perspektive wird im Frühjahr 2019 in deutscher und in englischer Sprache veröffentlicht. Zu dieser Auflage wird das öffentliche Fachpublikum eingeladen, Rezensionen einzureichen. Rezensionen zum aktuellen veröffentlichten Entwurf können an office@museumsbund.de geschickt werden. Alle eingereichten Rezensionen werden, falls nicht anders gewünscht, auf der Seite des Deutschen Museumsbundes veröffentlicht und für die Überarbeitung der nachfolgenden Auflagen ausgewertet.

Einen besonders sensiblen Umgang erfordern menschliche Überresten in Museen und Sammlungen. Bereits seit den 1990er Jahren wird international verstärkt eine Diskussion über den Umgang geführt. Ausgangspunkt waren zunehmende Forderungen, menschliche Überreste, meist außereuropäischen Ursprungs, zurückzugeben. Vielfach treffen dabei unterschiedliche Wertesysteme und Weltanschauungen aufeinander. Vor diesem Hintergrund und einer wachsenden Sensibilität bei Sammlungsverantwortlichen und in der Öffentlichkeit hat eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe des Deutschen Museumsbundes bereits 2013 Empfehlungen zum Umgang mit menschlichen Überresten in Museen und Sammlungen veröffentlicht.